Powerfrau mit Herz

Unsere neue Serie „Starke Frauen in der Region“ widmet sich Mitgliedern der Volksbank Stuttgart, die die Region prägen. Wir starten die Serie mit der Remstälerin Waltraud Bühl. Seit über 50 Jahren setzt sie sich mit viel Herz und voller Energie für die Lebensqualität älterer Menschen in der Region ein.

Frau Bühl, können Sie uns ein bisschen was über sich erzählen?

Frau Bühl, können Sie uns ein bisschen was über sich erzählen?

Ich bin 1947 in Oberurbach geboren und in Stuttgart aufgewachsen. Nach meiner Lehre als Hotelfachfrau ging es für einige Jahre in die Schweiz, aber schon bald hat mich das Heimweh gepackt, und ich bin wieder in die Heimat zurückgekehrt, um eine kaufmännische Weiterbildung zu absolvieren. Gearbeitet habe ich unter anderem als Leiterin der Abrechnungsstelle beim Deutschen Roten Kreuz. Seit 1970 wohne ich in Weinstadt-Schnait, was bis heute mein Lebensmittelpunkt ist.

Sie haben einige Ehrenämter inne. Wo sind sie überall aktiv?

Sie haben einige Ehrenämter inne. Wo sind sie überall aktiv?

Das stimmt. Ich blicke mittlerweile auf 50 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit zurück. Seit 1973 engagiere ich mich für das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Ortsverein Weinstadt. Ich war sogar Gründungsmitglied; wie auch vom Jugendrotkreuz Weinstadt und Kreisbereitschaftsleiterin des DRK Kreisverbands Rems Murr. Mittlerweile bin ich Sprecherin des StadtSeniorenRates Weinstadt, Vorsitzende des Kreisseniorenrats Rems-Murr und Geschäftsführerin des Vereins Seniorenmobil Weinstadt e.V. 2014 habe ich mich außerdem zur Wohnberaterin ausbilden lassen. Ich habe jetzt beinahe mehr zu tun als während meiner Berufstätigkeit. (lacht)

Woher kommt das ausgeprägte soziale Engagement?

Woher kommt das ausgeprägte soziale Engagement?

Ich wollte schon immer schwächeren Menschen helfen. Da war ich sicherlich vom Elternhaus geprägt. Meine Zusatzausbildung als Kurslehrerin in häuslicher Krankenpflege half mir in der Praxis bei der Pflege meines Mannes und meiner Eltern. Diese Erfahrungen prägen. Sie schärfen den Blick für Dinge, die nicht optimal sind und die man besser machen könnte. Außerdem bin ich ein Nachkriegskind und habe in den 50er-Jahren viel Not und Elend gesehen. Bei uns in der Schule galt die Regel: Jeder, der es sich leisten kann, bringt zwei Pausenbrote mit – eins für sich selbst und das andere für ein Flüchtlingskind.

Sie setzen sich im StadtSeniorenRat Weinstadt stark für die Belange älterer Menschen ein. Wie setzt sich der Rat zusammen und was sind seine Aufgaben?

Sie setzen sich im StadtSeniorenRat Weinstadt stark für die Belange älterer Menschen ein. Wie setzt sich der Rat zusammen und was sind seine Aufgaben?

Der StadtSeniorenRat Weinstadt hat eine Vorstandschaft mit sieben Personen sowie aktuell 22 Vertreterinnen und Vertreter. Es sind Bürgerinnen und Bürger aus allen Stadtteilen Weinstadts. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Planung des Akademiehefts, das jährlich erscheint. Zum Angebot gehören unter anderem Vorträge über Naturschutz, Ausflüge in die Stadt und die Umgebung, Besichtigungen, Sing- und Spielkreise sowie Aus- und Fortbildungen per Smartphone. Zudem organisieren wir Spendenaktionen, zum Beispiel für Sitzbänke oder den Bewegungsparcours und kümmern uns im Arbeitskreis „Barrierefreie Stadt“ beispielsweise um Gehwegabsenkungen, Sitzmöglichkeiten sowie Sicherheitstrainings fürs Busfahren, um nur einige Dinge zu nennen. Vor sechs Jahren haben wir außerdem begonnen, die örtlichen Gaststätten in Bezug auf Barrierefreiheit und Seniorenfreundlichkeit zu überprüfen. Dazu gehören gut lesbare Speise und Getränkekarten, kleinere Portionen, genügend Platz für Rollatoren sowie ein stufenfreier Zugang zu den Toiletten.

Was hat es mit der Wohnberatung auf sich?

Was hat es mit der Wohnberatung auf sich?

Das Thema Barrierefreiheit liegt mir besonders am Herzen. Manchmal reichen bereits wenige Hilfsmittel, um den Alltag im Alter erheblich zu erleichtern. Zum Beispiel ein höhenverstellbarer Aufstehsessel, Anti-Rutsch-Beläge für die Treppe oder leuchtende Lichtschalter. Man kann so vieles aufrüsten, man muss nur davon wissen. Aus dem Grund habe ich mich vor einigen Jahren zur ehrenamtlichen Wohnberaterin ausbilden lassen. Ich komme zu den Menschen nach Hause und berate sie in puncto altersgerechtes Wohnen, inklusive Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Neben der Wohnberatung geht es aber auch um Alltagsbewältigung im Allgemeinen sowie um Unterstützung bei Behördengängen und der Korrespondenz mit der Krankenkasse.

2019 wurde mit Unterstützung der Volksbank Stuttgart der Verein Seniorenmobil Weinstadt e. V. gegründet. Wie hat sich dieses Projekt entwickelt?

2019 wurde mit Unterstützung der Volksbank Stuttgart der Verein Seniorenmobil Weinstadt e.V. gegründet. Wie hat sich dieses Projekt entwickelt?

Ziel war es ja, den über 60-jährigen, mobil eingeschränkten Bürgerinnen und Bürgern von Weinstadt einen kostenlosen Fahrdienst anzubieten. Das hat funktioniert. Die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer bringen die älteren Menschen zum Einkaufen, zum Arzt, zum Friedhof oder zu den Aussichtspunkten der Stadt. Auch wer Freunde oder Angehörige besuchen möchte, kann sich beim Seniorenmobil melden. Das Angebot wird dankbar angenommen, denn mobil sein und unter Menschen zu kommen ist den Seniorinnen und Senioren ein großes Bedürfnis.

Welche Auswirkungen hatte COVID-19 und wie sah das Angebot während der Pandemie aus?

Welche Auswirkungen hatte COVID-19 und wie sah das Angebot während der Pandemie aus?

Die Isolation alter Menschen während der Corona-Pandemie war eine der größten Herausforderungen, die ich erlebt habe. Auch ich hatte zunächst Schwierigkeiten, mit den Kollegen und Gremiumsmitgliedern in Kontakt zu treten. Dennoch haben wir einiges auf die Beine gestellt: Es wurden sehr viele Bürgerinnen und Bürger per Telefon unterstützt. Wir hatten musikalische Überraschungen für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen organisiert. Auf diese Weise wurde die Zeit der sozialen Isolation etwas gemildert. In zahlreichen Fällen, besonders bei den Alleinstehenden, war eine Kontaktaufnahme jedoch nicht möglich. Eine amtliche Anordnung dieser Art darf es nicht mehr geben. Die Folge waren ängstliche, verunsicherte alte Menschen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauten.

Welchen Rat haben Sie an die Mitmenschen während der Pandemie?

Welchen Rat haben Sie an die Mitmenschen während der Pandemie?

Wichtig ist eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung an der frischen Luft. Auch, vielmehr gerade bei pandemiebedingten Einschränkungen sollten die Menschen auf eine regelmäßige Tagesstruktur achten und ihre Kontakte pflegen. Ein Telefonat mit der Tochter oder dem Sohn, ein kleiner Schwatz mit den Nachbarn, all das kann helfen.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Freizeit? Wenn ja, wie verbringen Sie am liebsten Ihre freie Zeit?

Bleibt Ihnen noch Zeit für Freizeit? Wenn ja, wie verbringen Sie am liebsten Ihre freie Zeit?

Ich nehme mir einfach die Zeit. Ich besuche gerne klassische Konzerte und treffe mich mit Freunden. Ein großes Vergnügen ist mein Garten. Es ist ein Naturgarten, ohne Gift. Beim Jäten und Harken kann ich mich wieder erden. Ich freue mich über die Blumen, die Schmetterlinge und Vögel, die Frösche, Kröten, Igel und Eidechsen.

Frau Bühl, herzlichen Dank für das Interview.

Waltraud Bühl, Sprecherin des Stadt- SeniorenRats Weinstadt und Markus Schmid, Regionaldirektor Privatkunden Weinstadt, stoßen auf das Seniorenmobil an.
Waltraud Bühl, Sprecherin des Stadt- SeniorenRats Weinstadt und Markus Schmid, Regionaldirektor Privatkunden Weinstadt, stoßen auf das Seniorenmobil an.