Wir sind für Sie da – auch in Krisenzeiten

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft in der Region Stuttgart hart getroffen. Zahlreiche Unternehmen sind auf zusätzliche Liquiditätshilfen von Bund, Land oder eben der Kreditwirtschaft angewiesen. Wir stehen auch in Krisenzeiten an Ihrer Seite. Werner Lochscheider und Andreas Killmaier stellen Ihnen die Leistungen und Möglichkeiten vor, mit denen wir Sie und Ihr Unternehmen in dieser schwierigen Situation unterstützen können.

Werner Lochscheider
Werner Lochscheider ist Bereichsdirektor Firmenkunden und bringt viele Jahre Berufserfahrung im Bereich Mittelstandsfinanzierung mit.
Andreas Killmaier
Andreas Killmaier ist Bereichsleiter und Experte für Spezialfinanzierung sowie Auslandsgeschäft. Zuvor war er mehrere Jahre im Firmenkundengeschäft tätig.

Das Geschäftsjahr 2020 war gut angelaufen – sowohl für die Banken als auch für deren Kunden. Dann kam Corona. Wie haben Sie in der Folge die Situation Ihrer mittelständischen Klientel erlebt?

Werner Lochscheider: Durch den Lockdown und den damit verbundenen Umsatzausfällen in den Unternehmen haben wir bei unseren gewerblichen Kunden vor allem Informations- und Liquiditätsbedarf festgestellt. Die Verunsicherung über die Entwicklung hält in vielen Betrieben nach wie vor an. Bestimmte Branchen wie Gastronomie, Hotellerie oder der Einzelhandel, aber auch der Bereich Automotive, sind davon deutlich stärker betroffen als andere. Online-Händler, die Fahrradbranche sowie Haus- und Gartenmärkte haben dagegen eine Sonderkonjunktur.

Wie agieren Sie im Fall einer derartigen Liquiditätsschwäche gegenüber Ihren Firmenkunden?

Werner Lochscheider: Nun, nachdem wir mit unseren Kunden den Liquiditätsbedarf ermittelt haben, erläutern wir die möglichen Alternativen. Zum einen wird die Beantragung von Corona-Soforthilfen, die ja nicht zurückgezahlt werden müssen, sowie die Liquiditätssicherung durch Stundung von z.B. Pacht-, Steuer-, oder Sozialversicherungszahlungen aufgezeigt. Zum anderen wird der Einsatz von Corona Hilfskrediten der KfW, der LBank und bankeigener Darlehen unter Einbindung der Bürgschaftsbank geprüft. Sofern diese Möglichkeiten scheitern, prüfen wir eine individuelle Finanzierunglösung unter Mitwirkung unseres Verbundpartners, der R+V Versicherung.

Wie beurteilen Sie die Unterstützung durch die Förderbanken in Bund und Land?

Andreas Killmaier: In dieser außergewöhnlichen Situation ist Schnelligkeit entscheidend. Hier hat sich besonders die KfW hervorgetan, die sehr rasch ein bedarfsgerechtes Sonderprogramm auf den Weg gebracht hat. Kaum hatte die Förderbank des Bundes ihr Hilfspaket geschnürt, liefen bei uns die Telefone heiß. So hatten wir in den ersten drei Wochen mehrere hundert Kundengespräche und daraus resultierende Kreditanfragen. Durch das beschleunigte Antragsverfahren der KfW war es uns möglich, zeitnah die Liquidität zur Verfügung zu stellen. Ebenso haben wir mit den Kollegen der L-Bank und der Bürgschaftsbank beste Erfahrungen in der Bearbeitung und Umsetzung von Corona-Anträgen gemacht.

Wieviel Anträge wurden denn bisher von Ihren Firmenkunden gestellt?

Andreas Killmaier: Wir zählen bis heute über 550 Anträge für Corona-Hilfskredite, was einem Volumen von 70 Millionen Euro entspricht. Dabei haben wir die Unternehmen ermutigt, nicht nur die Sonderprogramme in Anspruch zu nehmen, sondern auch flankierende, liquiditätsschonende Maßnahmen zur schnellen Umsetzung, wie Kurzarbeitergeld oder Tilgungsstundungen wahrzunehmen.

Was folgt danach?

Werner Lochscheider: Unser Ziel ist es zunächst, den Firmen über die coronabedingte Durststrecke hinwegzuhelfen, damit sie 2021 wieder an das Jahr 2019 anknüpfen können. Mit wenigen Ausnahmen wird sich das Geschäftsjahr 2020 in den Bilanzen vieler Unternehmen negativ niederschlagen, was eine Ratingverschlechterung für diese zur Folge hat. Zur Stabilisierung der Finanzierungsstruktur sind deshalb auch Maßnahmen wie Eigenkapitalstärkung dringend erforderlich. Hier halten wir die Einbindung von Finanzierungspartnern wie der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft, der angedachte Beteiligungsfonds des Landes oder weitere Soforthilfen für notwendig.

Denken Sie, die Krise kann auch was Gutes haben?

Andreas Killmaier: Zumindest hat Corona eine ganze Reihe von Themen beschleunigt. In Sachen Digitalisierung, Elektromobilität, Energiewende oder Nachhaltigkeit hat die Pandemie sicher wie ein Katalysator gewirkt, uns aber auch schonungslos Handlungsbedarf diesbezüglich aufgezeigt. Daher gehen wir auch auf die Kunden zu, um sie dabei zu unterstützen, gegebenenfalls ihre Produkte, Produktionsmethoden oder Lieferketten, basierend auf ihrem jeweiligen Geschäftsmodell, auf den Prüfstand zu stellen. Dabei gilt es, neben den sich ergebenden Chancen die erkannten Risiken zu minimieren.

 

Wie würden Sie die Rolle der Volksbank Stuttgart bei diesem Austausch mit den Kunden beschreiben?

Werner Lochscheider: Wir sehen uns als Sparringspartner unserer Kunden. Dafür führen wir einen, wie wir es nennen, partnerschaftlichen Dialog. Die reine Finanzvermittlung war ohnehin nie Grundlage unserer Betreuungsphilosophie. So haben wir in unserem VR Pay eShop ein Angebot entwickelt, das es zum Beispiel Einzelhändlern auf kostengünstige Weise ermöglicht, einen professionellen Internetauftritt aufzubauen, um Online-Bestellungen inklusive der Bezahlfunktionen anbieten zu können.

Dennoch dürften so manche Unternehmen nach der Krise nicht mehr auftauchen ...

Andreas Killmaier: Wir sehen durchaus, dass viele Firmen in den letzten Jahren ordentliche Finanzierungspolster aufgebaut haben und daher auch mit oder ohne Corona-Hilfskredite durch die Krise kommen. Aber oft tragen Firmen strukturelle Probleme mit sich herum, die nun durch die Krise offensichtlich geworden sind. In Folge dessen gehen wir von einer steigenden Anzahl von Insolvenzen aus.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie im laufenden Jahr für Ihren Firmenkundenbereich?

Werner Lochscheider: Corona wird uns noch lange beschäftigen. Aktuell begleiten wir unsere Kunden immer noch bei der Beantragung von Corona-Hilfskrediten. Darin haben wir nach den hektischen Zeiten zum Höhepunkt der Pandemie inzwischen eine gewisse Routine entwickelt. Wir stellen aber auch fest, dass die generelle Kreditnachfrage wieder anzieht. So verzeichnen wir per Ende Mai ein Aktiv-Neugeschäftsvolumen im gewerblichen Bereich von 272 Millionen Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von rund drei rund sieben Prozent im Jahr, was deutlich über unserem ursprünglichen Ziel von vier Prozent liegt.