Kunstmuseum Stuttgart

Die Verbindung aus Geschichte und Gegenwart macht den Rundgang durch die Sammlung zur außergewöhnlichen Entdeckungsreise. Die Vielfalt der gezeigten Werke reicht vom Schwäbischen Impressionismus im 19. Jahrhundert über die klassische Moderne und die Kunst nach 1945 bis zur zeitgenössischen Kunst.

Ab 28. November 2020 werden unter dem Titel „Kamm, Pastell und Buttermilch“ Arbeiten von Willi Baumeister, Adolf Hölzel und Fritz Seitz gezeigt. Dr. Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, stand uns zum Museum an sich und zur Ausstellung Rede und Antwort.

Kunstmuseum Stuttgart

Frau Dr. Groos, was genau haben Baumeister, Hölzel und Seitz gemeinsam?

Bei allen drei Künstlern lässt sich zum einen eine Entwicklung vom Figürlichen zur Abstraktion beobachten, und alle haben mit Pastellfarben gearbeitet – diese Arbeiten stellen wir in der Ausstellung einander gegenüber. Zum anderen gibt es biografische Verbindungen: Baumeister war Schüler bei Adolf Hölzel, Fritz Seitz wiederum Schüler bei Baumeister. Alle waren als Kunstprofessoren tätig, Hölzel und Baumeister an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, Seitz in Hamburg an der Hochschule für Bildende Künste. Die drei Künstler stehen zudem für eine Lehrtradition, die von Hölzel begründet wurde und den Studierenden Raum ließ, sich künstlerisch frei zu betätigen und eigenen Ideen zu folgen. Baumeister sagte einmal sinngemäß: „Ob figürlich oder abstrakt ist egal – gut muss es sein“.

Arbeiten von Baumeister hatten Sie in den letzten  Jahren bereits mehrfach ausgestellt. Worin besteht die Faszination seiner Werke?

„Willi Baumeister International“ war 2013 die erste umfassende Retrospektive seit 1954 in der Heimatstadt des Künstlers. In der Ausstellung damals stand Baumeister als Netzwerker im Vordergrund, dessen Freundes- und Bekanntenkreis die wichtigsten Avantgarde Künstlerinnen und -Künstler des 20. Jahrhunderts umfasste. Weitere Ausstellungen in der Vergangenheit widmeten wir Baumeister als angewandtem Künstler, Werbegrafiker und Bühnenbildner.

Die kommende Schau zeigt wiederum eine andere Facette des bedeutenden deutschen Verfechters der Abstraktion: Baumeister als Handwerker, der mit unterschiedlichen Materialien und Techniken experimentierte – etwa mit den titelgebenden Kämmen, Pastellfarben und Buttermilch. Gerade diese Vielseitigkeit macht Baumeister und sein Werk so faszinierend.

Die Ausstellungsstücke, die Besucher des Kunstmuseums zu sehen bekommen, sind in der Regel von unersetzbarem Wert. Wie lange dauert der Aufbau einer Ausstellung, und wie gestaltet sich die Logistik bei solchen Wertgegenständen?

Der Aufbau einer Ausstellung erfolgt in relativ kurzer Zeit. Dem drei- bis vierwöchigen Aufbau gehen jedoch umfassende Planungen voraus. Konzepte müssen erarbeitet, Werklisten zusammengestellt werden, auf deren Grundlage dann Leihanfragen bei anderen Museen oder Privatsammlern gestellt werden. Weiterhin müssen Kunsttransporte und Handwerker beauftragt und die Abläufe während des Aufbaus präzise abgestimmt werden. Im direkten Umgang mit Kunstwerken ist natürlich jederzeit besondere Vor- und Umsicht   erforderlich – und das ganz unabhängig von ihren taxierten Werten! Im Falle der Ausstellung „Kamm, Pastell und Buttermilch“ befinden sich viele der gezeigten Werke und Exponate bereits im Haus, stammen aus dem Archiv Baumeister, das an das Kunstmuseum Stuttgart angegliedert ist und den gesamten Nachlass des Künstlers beherbergt, oder gehören der Familie von Willi Baumeister. Für uns sind Ausstellungen, in denen wir vornehmlich mit eigenen Werken arbeiten, immer etwas Besonderes: Sie führen uns vor Augen, welche „Schätze“ unsere Depots und Archive bereithalten und welche „Entdeckungen“ dort künftig noch zu machen sind.

Welche Highlights bietet das Kunstmuseum neben den klassischen Ausstellungen über das Jahr hinweg an?

Das Kunstmuseum ist nicht nur ein Schaukasten für wechselnde Ausstellungsprogramme, sondern insbesondere auch ein Ort der Wissensvermittlung. Besonders am Herzen liegen mir die klassischen Aufgaben eines Museums – Forschen, Sammeln, Bewahren und Vermitteln. Diesen Aufgaben kommen wir vor allem mit unserer Sammlungspräsentation nach. Durch unseren herausragenden Sammlungsbestand bieten sich viele Möglichkeiten, Werke in verschiedenen Zusammenhängen und mit neuen Erkenntnissen zu präsentieren. Unsere Sammlung befindet sich deshalb dauerhaft im Wandel. Die Besucherinnen und Besucher sind immer wieder überrascht und erfreut, welche Vielfalt unsere Sammlung bereithält. Sie ist einzigartig, gerade auch wegen ihrer künstlerischen Bezüge in die Stadt und Region.

Was betrachten Sie als Ihr bisheriges persönliches Highlight?

Highlights gab es viele in den vergangenen zehn Jahren, seit ich Direktorin am Kunstmuseum Stuttgart bin. Hervorheben möchte ich jedoch „I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920“. Die Ausstellung war Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2015 zum zehnjährigen Bestehen des Museums, das ein großes Bürgerfest einleitete und von zahlreichen Aktionen im Außenraum und Konzerten begleitet wurde. Und die Ausstellung bildete mein persönliches Interesse an Kunst und Musik ab.

Bankiers der Volksbank Stuttgart eG erhalten im Rahmen der „Bankier Extras“ zwei Tickets zum Preis von einem für die Ausstellung WÄNDE I WALLS. Können Sie uns etwas über die Ausstellung sagen?

In WÄNDE I WALLS zeigen wir 30 künstlerische Positionen von 1966 bis 2020, die das Thema Wand unterschiedlich beleuchten. Die international bekannten Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung – etwa Yoko Ono, Sol LeWitt, Bruce Nauman, Marina Abramovic – gehen dabei weit über die herkömmliche Wandmalerei hinaus und verfolgen vornehmlich installative und performative Ansätze. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem StadtPalais – Museum für Stuttgart: Während im Kunstmuseum Wandarbeiten im Innenraum realisiert werden, zeigt das StadtPalais ausschnitthaft Graffiti-Kunst aus dem Stuttgarter Kessel. Bereits im August stellte die Deutsche Bahn zum Auftakt des Projekts die Bahnhofshalle des Hauptbahnhofs Stuttgart für eine spektakuläre Graffitiaktion zur Verfügung.

Frau Dr. Groos, vielen Dank für das Interview.