Interview mit Andreas Beck

Der langjährige Bankier der Volksbank Stuttgart Andreas Beck – einst Außenverteidiger und unter anderem Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart sowie U21-Europameister – spricht mit uns über 100-km-Trails als „Familiending“, seine neue Außensicht auf den Fußball, selten schöne Tore und natürlich über die anstehende EM.

Andreas Beck

Herr Beck, die EM steht vor der Tür, in jüngster Zeit macht auch die Nationalelf Lust auf mehr – werden Sie sich kein Spiel entgehen lassen oder sind Sie da eher entspannt?

Andreas Beck: Ich werde sehr viel Fußball schauen. Schon bei der WM in Katar habe ich viele Spiele sowohl vor Ort als auch im Fernsehen gesehen – genauso wird es bei der EM sein. Da freue ich mich schon sehr drauf.

Juckt es Sie in den Füßen, wenn Sie ein Spiel schauen – spüren Sie manchmal den Drang, selbst einzugreifen?

Andreas Beck: Nein, ich freue mich über guten Fußball, Entwicklungen, neue Phänomene, Persönlichkeiten und Geschichten. Rein für mich als Fan und als Fußballliebhaber bietet so eine EM sehr viel, aber auch die Bundesliga, die türkische und die belgische Liga: Das genieße ich schon sehr, jetzt von außen draufzuschauen und auch mal eine Meinung haben zu dürfen. Selbst in Aktion zu sein: Das war eine Phase in meinem Leben, damit habe ich abgeschlossen – auch im Guten. Das war auch ein Prozess, und ich habe meinen Frieden damit gefunden, nicht weiter Fußball zu spielen. Das ist schon gut so, wie es jetzt ist.

Ihr ehemaliger Verein, der VfB Stuttgart, hat ja eine beeindruckende Saison absolviert. Haben Sie noch Kontakt?

Andreas Beck: Sehr gute Kontakte sogar, auch weil meine Familie noch dort lebt. Da hat man täglich Berührungspunkte, ich kenne auch noch viele Spieler und Verantwortliche. Und auch so ist der VfB Stuttgart ja in aller Munde; das freut mich für sie. Das ist mein Jugendverein, da habe ich meine meiste Zeit im Fußball verbracht. Mit dem Club habe ich fast alles erlebt – von der Champions League über die Deutsche Meisterschaft bis hin zum Abstieg; von Tribünen- und Bankplatz über die Startelf bis zur Kapitänsbinde. Der Verein hängt mir sehr am Herzen und ich freue mich über die Entwicklung des Clubs.

Hat Sie diese Entwicklung überrascht?

Andreas Beck: Ja – um die Champions League zu erreichen, muss man schon extrem viel Konstanz aufweisen. Das sind eigentlich schon die Ansprüche bei so einem Traditionsverein, aber dass man innerhalb von 12 Monaten so eine Entwicklung hinlegt, war dann doch überraschend. Aber ich freue mich darum umso mehr.

Sie sind ja auch ohne Ball recht gut zu Fuß: Trails über 100 km scheinen für Sie kein Problem zu sein.

Andreas Beck: Da muss ich dazwischengrätschen: Auch da braucht man ein monatelanges Training, was ich auch habe. Aber es passt zur Familie Beck: Wir waren immer schon Beißer, Kämpfer und gute Läufer. So bin ich mit meinem Bruder nach der aktiven Karriere in die Fußstapfen unseres Papas getreten, der schon lange Ultras läuft. Es macht Spaß, wenn man das Fithalten kombinieren kann mit Wettkämpfen und der entsprechenden Planung. Da ist das Jahr durchgetaktet mit Events, mit etwas, wo man wirklich an seine Grenzen gehen darf und muss. Wenn man dann noch so ein Familiending draus machen kann – die zwei Brüder mit dem Papa –, dann ist das umso schöner.

Apropos Langstrecke: Seit wann sind Sie Kunde/Teilhaber der Volksbank Stuttgart?

Andreas Beck: Da gibt es auf jeden Fall eine lange Affinität, mit meinem damaligen Wohnsitz in Cannstatt, dann der Zeit beim VfB: Mindestens seit ich 18 bin, wahrscheinlich schon ein bisschen länger, bin ich Kunde der Bank, und auch immer sehr zufrieden. Der Draht war durchgehend da, auch trotz der Entfernung und der Jahre im Ausland: Die Volksbank Stuttgart war immer mein treuer Partner. Da gab es stets einen persönlichen Kontakt, Herrn Andy Ille, der immer mein erster Ansprechpartner geblieben ist. Diese Individualisierung und dass man bestehende Strukturen beibehalten kann: Das schätze ich sehr.

Sie waren ja bereits Europameister – 2009 mit der U21 und Horst Hrubesch. Wie fühlte sich das an, dass Ihr Tor den Weg ins Finale bereitete?

Andreas Beck: Man hat so seinen Job als Außenverteidiger, ist eigentlich in einem Korsett der mannschaftlichen, taktischen Aufgaben gefangen und auch durch den Gegenspieler – da sind das dann so wenige Momente, die man als Außenverteidiger hat in seiner Karriere, vielleicht auch mal Spielentscheider im positiven Sinne zu sein. Deshalb sind solche Tore natürlich schön. Wenn es dann noch in einem so wichtigen Spiel ist, das dann die Tür geöffnet hat fürs Finale, das wir dann auch gewinnen konnten: Das ist natürlich eine schöne Erinnerung. Da habe ich mir ein Herz gepackt und aus 25 Metern draufgehauen – dann kann auch der Beck mal ein Tor schießen.

War das Ihr wichtigstes Tor? Und auch Ihr schönstes?

Andreas Beck: Ich denke, da waren noch ein paar Tore, die auch schön und wichtig waren. Zum Beispiel ein für meine Karriere sehr wichtiges unter Armin Veh in Stuttgart gegen Bayer Leverkusen, was auch das Siegtor war: Das war einer der Momente, wo man ein Ausrufezeichen setzt, das einem den Durchbruch ermöglicht.

Ohne Ihren Tipp können wir Sie nicht gehen lassen: Wer ist Ihr Favorit bei der EM 2024?

Andreas Beck: Bei der EM wird sehr spannend zu sehen sein, wie Deutschland außerhalb seiner sportlichen Qualität mit dem Druck zurechtkommen wird, mit den Dingen, die von außen hereingetragen werden. Ich hoffe, dass man sich auf den Sport fokussieren kann. Dann hat Deutschland natürlich – vielleicht auch mit einer gewissen Euphorie, die sie entfachen können mit Siegen – schon eine große Möglichkeit, diese EM erfolgreich zu bestreiten und eventuell auch das Turnier zu gewinnen. Also sehe ich Deutschland definitiv als einen der Favoriten, wie immer mit Frankreich und vielleicht Spanien. Ein Geheimfavorit wäre – auch aus persönlicher Nähe natürlich – Belgien mit seiner starken Mannschaft unter Domenico Tedesco. Aber es gibt noch einen „kleinen“ Geheimfavoriten, die ich jetzt mehrmals habe spielen sehen, auch live, und das sind für mich die Österreicher.

Wenn ich zwei Mannschaften aussuchen müsste: Deutschland und als Geheimfavorit Österreich.

Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen viel Erfolg beim Studium und Master und Ihnen und uns allen eine schöne EM!

Steckbrief von Andreas Beck

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