Betrugsmaschen

Falscher Mitarbeiter, Enkeltrick, Scamming und falscher Polizist

Der Paragraf 263 des Strafgesetzbuches beschreibt Betrug als die Erlangung eines Vermögensvorteils durch die Täuschung anderer, beispielsweise durch Vorspiegelung falscher oder Entstellung wahrer Tatsachen.

Die „Nepper, Schlepper und Bauernfänger“, wie Zeitgenossen dieser Kategorie im Volksmund heißen, gehen zumeist mit großer Raffinesse zu Werke und richten häufig beträchtlichen Schaden an.

Immer wieder versuchen Betrüger aus den Ängsten älterer Menschen Kapital zu schlagen. Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise mit dem sogenannten Enkeltrick und mit der Betrugsmasche „Falscher Polizist“ rund 10,5 Millionen Euro erbeutet. Die Maschen der Betrüger sind vielseitig. Betrüger gehen zumeist sehr raffiniert vor, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen.

Neue Betrugswelle in der Region Stuttgart

Falscher Mitarbeiter

In letzter Zeit schlagen vermehrt Betrüger mit der Betrugsmasche „Falscher Mitarbeiter“ zu. Seit den letzten Tagen sind der regionalen Polizei über 40 Fälle bekannt.

Bei dieser Betrugsvariante werden überwiegend Menschen mit fortgeschrittenem Lebensalter telefonisch kontaktiert. Die Anrufer versuchen Druck aufzubauen, um an Bargeld, Wertgegenstände oder an eine Kontoverfügungsgewalt zu kommen. Gelingt ihnen dies, wird das Konto geplündert oder es werden Bargeld und Wertgegenstände aus dem Haushalt zusammengetragen und/oder die Betroffenen suchen die Bankfilialen auf, um das Bargeld abzuheben oder Schließfachinhalte auszuräumen.

Vorgehensweise der Betrüger:

Die Betrüger recherchieren in Telefonverzeichnissen nach alten Vornamen. Mittels Telefonspoofing werden die Anrufnummern der Bank oder der Bafin generiert. Diese erscheinen dann beim Anruf auf den Telefondisplays der potenziellen Opfer. Die Anrufer geben sich etwa als Mitarbeiter der Bankenaufsicht (Bafin) oder der Bank aus:

  • Eine Frau gibt sich am Telefon als Mitarbeiterin der Bankenaufsicht aus. Sie informiert die Betroffene von einem an ihre Bank adressierten „Pfändungsbeschluss“. Die Angerufene kann diesen verhindern, indem sie mit einer Rechtsanwaltskanzlei „Tempelhof“ Kontakt aufnimmt:  Gegen Zahlung einer „Gebühr“ kann diese scheinbare Pfändung verhindert werden.
  • Ein Mann gibt sich als Mitarbeiter einer Bank aus: Er warnt vor einer betrügerischen Kontoübernahme – es sei bereits Geld abgebucht worden und er könnte eine Rücküberweisung veranlassen.  Dafür benötigt er lediglich den Onlinezugang zum Konto. Im weiteren Verlauf wird dann das Konto leer geräumt.

Was Sie gegen diese Betrugsmasche unternehmen können:

  • Auflegen: Beenden Sie solche Telefonanrufe sofort. Die Banken nehmen auf diese Weise keinen Kontakt mit Kunden auf.
  • Zugriff verweigern: Gewähren Sie einem unbekannten Anrufer keinesfalls Zugriff auf Ihren Rechner, beispielsweise mit der Installation einer Fernwartungssoftware.
  • Vom Netz nehmen: Wurde ein Schadprogramm installiert, sollte der Rechner sofort vom Netz getrennt und möglichst durch einen Experten untersucht werden.
  • Keine Daten verraten: Geben Sie Unbekannten niemals Ihre Bank- oder Kontodaten und Tan-Nummern weiter. Erteilen Sie Fremden keine Auskünfte über Guthaben, Vermögen oder Wertgegenstände.
  • Bank benachrichtigen: Bei ungewollten Geldtransaktionen umgehend mit der Bank in Verbindung setzen.
  • Keine Dokumente: Verschicken Sie keine vertraulichen Dokumente an unbekannte E-Mail-Adressen.
  • Nachfragen: Im Zweifelsfall sollten Sie sich bei Ihrer Bank erkunden oder die Polizei (110) informieren.

Der Enkeltrick*

Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und alleine lebenden Personen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld.

Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben.

Scamming: Vorsicht bei virtuellen Bekanntschaften*

Besonders perfide und für die Opfer mit hohem emotionalem Stress verbunden ist das Love- oder Romance-Scamming. In Online-Partnerbörsen oder auch in sozialen Netzwerken sind die Scammer auf der Suche nach potenziellen Opfern.

Ist ein Kontakt erst einmal hergestellt, werden diese mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft – und zwar einzig und allein mit dem Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Denn die virtuellen Partner geben z. B. vor, bei einer Geschäftsreise nach Westafrika in Geldnot geraten zu sein. Oder sie benötigen Geld für eine wichtige Operation ihres Kindes oder eines Angehörigen.

Auch gestohlene Koffer und Pässe, unbezahlter Lohn oder eine unbezahlte Hotelrechnung sollen das ahnungslose Opfer dazu bringen, Geld zu überweisen. Und viele tun es auch, schließlich sind sie zu diesem Zeitpunkt schon von ihrem Internet-Partner/ihrer Internet-Partnerin emotional abhängig.

Betrug durch falsche Polizisten*

Immer wieder sind Betrüger unterwegs, die sich als Polizisten ausgeben, um in den Besitz von Geld und anderen Wertgegenständen ihrer Opfer zu gelangen.

An der Haustür schrecken sie nicht davor zurück, gefälschte Dienstausweise vorzuzeigen, um sich Zutritt in die vier Wände ihrer Opfer zu verschaffen und Schmuck und Bargeld zu stehlen.

Am Telefon versuchen sie, ihre Opfer unter verschiedenen Vorwänden dazu zu bringen, Geld- und Wertgegenstände im Haus oder auf der Bank an einen Unbekannten zu übergeben, der sich ebenfalls als Polizist ausgibt. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld- und Wertgegenstände bei ihren Opfern zuhause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien oder auf Spuren untersucht werden müssten. Dabei nutzen die Täter eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt.

* Quelle: Polizei Reutlingen

Video zum Thema "Falscher Polizist"

In unserem Video erhalten Sie einen Einblick über die Arbeitsweise der Betrüger sowie Tipps von Kriminalhauptkommissar Matthias Zillmann, wie Sie sich vor der Betrugsvariante „Falscher Polizist“ schützen können. Zudem berichtet eine Mitarbeiterin der Volksbank Stuttgart eG über die Erfahrungen mit dieser Betrugsvariante

Vorsicht Falle!

Falscher Polizist