Strategische Analyse und Maßnahmen

Verändertes Nachfrageverhalten

Mehr Leistungen für alle, die richtige Leistung für jeden

Verändertes Nachfrageverhalten
Verändertes Nachfrageverhalten

Jeder Mensch trifft täglich Kaufentscheidungen. Für die meisten Menschen gehört dabei Online-Shopping zum Alltag.

Das Jahr 2020 stand klar unter dem Stern von Corona. Dabei ist ein wichtiger Jahrestag der Bankbranche in Vergessenheit geraten: Der Start des Online-Bankings vor 40 Jahren. Im November 1980 begann die damalige Deutsche Bundespost (heute Deutsche Telekom) mit einem Feldversuch, an dem 300 Unternehmen und 2.000 private Teilnehmer beteiligt waren. Über BTX (Bildschirmtext) konnten die Teilnehmer das digitale Banking testen. Der Werbeslogan lautete: „Meine Bank im Wohnzimmer!“ Der Feldversuch wurde zu einer Erfolgsgeschichte, wenn auch erst ab den späten 90er-Jahren, als Computer deutlich verlässlicher und kostengünstiger wurden.

Heute ist das Online-Banking für die Kunden der wichtigste Kanal, um mit ihrer Bank in den Kontakt zu treten. Laut Statistischem Bundesamt nutzt jeder zweite Bankkunde (53 Prozent) das Internet, um Überweisungen zu tätigen, den Kontostand abzufragen oder Daueraufträge einzurichten. Denn die Vorteile sind damals wie heute überzeugend: Wege- und Zeitersparnis, Nutzung der Services rund um die Uhr, egal an welchem Ort.

Doch jenseits von einfachen Banking-Dienstleistungen des Alltags behält die persönliche Beratung einen hohen Stellenwert. Die richtigen Versicherungen, die besten Anlageprodukte, der individuelle und passgenaue Kredit: Diese Gespräche werden noch immer persönlich und in einem diskreten Rahmen mit den Beratern geführt.

Wobei die Terminvereinbarung häufig erst nach einer Online-Recherche stattfindet. Die Vernetzung von virtueller und realer Welt wird damit zum wesentlichen Treiber von Veränderungen. Und wichtiger Teil von strategischen Betrachtungen. Die neuen Technologien verändern sowohl den Umgang mit Geld als auch die Art, wie Bankleistungen in Anspruch genommen werden. Bei der Volksbank Stuttgart nutzen annähernd 150.000 Kunden die digitalen Banking-Angebote, jährlich werden weit über 20 Millionen Vorgänge mit dem Smartphone und Tablet erledigt. Digitale Banking-Angebote sind eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Beratung, kein Ersatz; dies zeigen über 100.000 Beratungsgespräche sowie über 500.000 Anrufe im KundenDialogCenter.

Die Volksbank Stuttgart genießt nicht nur höchste Reputation, sie ist auch flächendeckend in ihrem Geschäftsgebiet vertreten: mit 54 Filialen, 36 Selbstbedienungsfilialen (SB) sowie 15 Geldautomaten-Standorten. Und dem Volksbank Stuttgart Mobil, der Filiale auf Rädern. Darüber hinaus sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KundenDialogCenters von Montag bis Freitag zwölf Stunden pro Tag telefonisch erreichbar. Neben der lokalen Filialverfügbarkeit ist das Online-Banking für 75 % der Verbraucher die einfachste und bequemste Kontaktfläche. Die Hälfte der Kunden will dabei am liebsten eine E-Mail von ihrer Bank erhalten oder Online Terminvereinbarungen nutzen. Ein Drittel befürwortet das Klären von Anliegen durch einen Online-Chat.1


¹ Quelle: Splendid Research, 2019

Nachhaltig verändertes Nutzerverhalten

  Preisentscheider      
Preissensible Preisindifferente
Online-Kunden (23 %) 10 % 13 %  
Hybride Kunden (56 %) 8 % 30 % 18 %
Filialkunden (21 %)   8 % 13 %

Quelle: Splendid Research, 2019 und Investors Marketing
Privatkundenstudie 2016

Vielfach erreichbar: Die persönliche Beratung in der Filiale und im KundenDialogCenter wird mit zahlreichen zusätzlichen Angeboten kombiniert.
Vielfach erreichbar: Die persönliche Beratung in der Filiale und im KundenDialogCenter wird mit zahlreichen zusätzlichen Angeboten kombiniert.

Das situative und selbstverständliche Nutzen von digitalen und persönlichen Leistungen zeigt, dass sich Kunden mehrheitlich nicht zwischen Filiale, Online- und Mobile-Banking entscheiden wollen; und dabei auch bewusst Preisunterschiede zwischen standardisierter Online-Leistung und individuellem Service akzeptieren.

Bei vertrauenssensiblen Entscheidungen bleibt nach wie vor das persönliche Beratungsgespräch ausschlaggebend für die Entscheidungsfindung.

Die Verbindung zwischen virtueller und realer Welt nimmt mit dem strategischen Omnikanal Ansatz der genossenschaftlichen Finanzgruppe eine zentrale Rolle in der Kundenzufriedenheit ein. Durch die Kohärenz der verschiedenen Zugangs- und Interaktionswege bleibt es dem Kunden überlassen, je nach Anlass, Zeitpunkt und Möglichkeit, Bankdienstleistungen zu nutzen, ohne sich auf eine bestimmte Nutzungsart festlegen zu müssen. Die Volksbank Stuttgart bietet ihren Kunden damit kein „entweder oder“, sondern ein „sowohl als auch“ bei der Auswahl der individuell richtigen Leistung.

Wesentlichkeit und Ziele

Nachhaltiges Wirtschaften

Wachstum durch Innovation, Nachhaltigkeit aus Tradition

Nachhaltiges wirtschaften bedeutet, ökonomische, soziale und ökologische Belange in ein ausgeglichenes und vernünftiges Verhältnis zu bringen.

Dieser Dreiklang von elementaren Interessen trägt nicht nur zu Wohlstand, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz bei, er bietet Unternehmen auch Wettbewerbsvorteile: nachhaltig ausgerichtete Unternehmen sind langfristig erfolgreicher und gleichzeitig innovativer als deren Wettbewerber. Dies gilt für den mittelständischen Weltmarktführer genauso wie für die Volksbank Stuttgart eG. Niemand würde die Bekämpfung von Armut, den Abbau von Ungleichheiten oder Maßnahmen für den Umwelt und Klimaschutz als Ziele in Frage stellen. Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist aber ein ebenso wichtiges Ziel, da sie den Menschen ein gutes Leben in stabilen Verhältnissen ermöglicht. Der gesamtwirtschaftliche Effekt von unternehmerischen Aktivitäten und Innovationen schafft sichere Arbeitsplätze, erzeugt Steuereinnahmen und ermöglicht Infrastrukturmaßnahmen zum Wohle aller.

Die Vernunft des sorgsamen Umgangs mit Umwelt und Produktionsmitteln hat sich dabei gerade in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland in der Produktionskultur niedergeschlagen, welche traditionell hohen Wert auf Effizienz und Langlebigkeit der erzeugten Produkte legt. Trotz des Trends zur Dienstleistungsgesellschaft lebt insbesondere Baden-Württemberg von seiner industriellen Basis, die alleine 400 mehrheitlich mittelständische Weltmarktführer aufweist. Der Erfolg des Südwestens liegt in seiner vorindustriellen Armut begründet: Die Böden waren wenig fruchtbar, die Anbauflächen wurden durch Erbaufteilung immer kleiner. In der Folge entstanden viele Handwerksbetriebe und Manufakturen, aus deren Tugenden wie Fleiß, Sparsamkeit und Bodenständigkeit sich erfolgreiche Unternehmen entwickelten.

1865 von Handwerkern, Kaufleuten und Bürgern als genossenschaftliche Gewerbebank gegründet, ist die Geschichte der Volksbank Stuttgart eG untrennbar mit der Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft in der Metropolregion Stuttgart verbunden. Sie steht nicht nur für tradierte Werte der Geschäftstätigkeit, sie hat in 155 Jahren auch viele Unternehmen durch existenzielle Krisen begleitet; und damit zur nachhaltigen Entwicklung der Region beigetragen.
Die generationenübergreifende Verbindung mit den Bürgern und Unternehmern im Geschäftsgebiet findet sich dabei nicht nur in der werblichen Außenwirkung („Meine Heimat. Meine Bank.“), sondern auch in den drei Betrachtungsperspektiven nachhaltig wirtschaftlichen Handelns wieder: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Strategische Dimensionen der Nachhaltigkeit

  Ökonomie Ökologie Soziales
INTERN Prozessmanagement Ressourcenmanagement Mitarbeiter-
verantwortung
EXTERN Kundenberatung Umwelt Gesellschaftliches
Engagement

(In Anlehnung an Klein, 2015)

Als Partner des Mittelstandes versteht sich die Volksbank Stuttgart in ihrer strategischen Ausrichtung als Qualitätsführer. Hierbei stehen nicht nur einzigartige Beratungsleistungen („genossenschaftliche Beratung“) im Fokus der Kundengeschäftssteuerung, sondern auch die jährlichen Betreuungsleistungen. Insbesondere in sich dynamisch verändernden Märkten und zunehmend austauschbaren Standardleistungen ist der regelmäßige persönliche Kontakt zum Kunden nicht nur Gradmesser des Kundenvertrauens zu seiner Bank, sondern auch Garant für eine langfristige und partnerschaftliche Kundenbeziehung. Neben der strategischen Positionierung als Qualitätsführer bildet die Mitgliedschaft an der Volksbank Stuttgart das elementare Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb. Alleinstellungsmerkmale sprechen Kunden nicht nur positiv in der Werbung an, sie erzeugen auch eine Identifikation mit dem Unternehmen. In einer auf Nachhaltigkeit angelegten Geschäftsbeziehung kennzeichnen uns eine klare Werteorientierung sowie die Mitgliederförderung als mitgliederbasierte Genossenschaftsbank. Mit einem umfangreichen Mehrwertprogramm („Bankier Welt“) für ihre rund 177.000 Bankiers und dem definierten strategischen Unternehmensziel einer Mitgliederquote von über 60 % trägt die Volksbank Stuttgart dieser Differenzierungsstrategie Rechnung.

Nachhaltiges Wirtschaften beinhaltet vor allem auch operative Profitabilität, welche die Voraussetzung für die Sicherstellung der Risikotragfähigkeit, die Erfüllung der Eigenmittelanforderungen sowie die Ausschüttung einer attraktiven Dividende an die Mitglieder bildet. Die operative Ressourceneffizienz spiegelt sich dabei in der Cost-Income Ratio (CIR) wider, welche die Kostenbasis dauerhaft unter 70 % des Ertragsniveaus (CIR < 70 %) in der Geschäftsstrategie festschreibt.

Gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter sind nicht nur Ziel der betrieblichen Fürsorge, sondern auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Durchschnittlich fünf Schulungstage pro Jahr und Arbeitnehmer lautet die Zielsetzung für die berufliche und persönliche Weiterentwicklung, eine Gesundheitsquote von etwa 95 % aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird über das betriebliche Gesundheitsmanagement angestrebt. Als mittelständische Genossenschaftsbank ist die Volksbank Stuttgart nicht nur Teil der Region, sondern auch Teil der Gesellschaft. Viele gemeinnützige und karitative Projekte könnten ohne das gesellschaftliche Engagement der Volksbank nicht realisiert werden. Fast eine Million Euro ist auch in 2020 in die Kultur- und Sportförderung sowie in die Förderung gemeinnütziger und karitativer Projekte geflossen.

Neben der monetären Unterstützung erfüllen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbank Stuttgart viele gesellschaftliche Verpflichtungen. Sie wirken im Vorstand von Bürgerstiftungen und Sport-, Musik- und Kulturvereinen mit sowie bei bürgerschaftlichen Projekten und Initiativen. Dieser Antrieb entspringt nicht nur dem gelebten Selbstverständnis von „Meine Heimat. Meine Bank.“, er ist auch Kern eines gemeinsamen Werteverständnisses: vom Auszubildenden über die Führungskräfte bis zum Vorstandsvorsitzenden. Kein Wunder, dass die Volksbank Stuttgart nicht nur regelmäßig für ihre herausragenden Beratungsleistungen, sondern auch als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet wird.

Meine Heimat. Meine Bank.

Langfristig gedacht. Nachhaltig investiert.

Der Volksbank Stuttgart eG ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt sehr wichtig. Aus diesem Grund hat sie ihre Investmentprozesse im Eigenanlagegeschäft konsequent im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien weiterentwickelt. In der Geschäftsstrategie wurde für das Depot A und für den Spezialfonds eine Mindest-Nachhaltigkeitsquote von 95 % (auf Basis des Mindest-Nachhaltigkeitsfilters der Union-Investment) als strategisches Ziel verankert.

Tiefe der Wertschöpfungskette

Werte schaffen

Weltoffen denken, regional handeln

Werte schaffen Werte: als Kreditgenossenschaft produziert die Volksbank Stuttgart eG zwar selbst keine Waren, aber sie trägt durch ihre Wertschöpfungskette und eine verantwortliche Kreditvergabe zur nachhaltigen Leistungserstellung, Bautätigkeit und Warenproduktion in der Region bei.

Die Volksbank Stuttgart eG trägt auf vielfältige Weise zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Arbeitgeber beschäftigt sie nahezu 1.000 Angestellte, bezahlt Gehälter und Sozialabgaben sowie Gewerbe- und Ertragssteuern. Als Unternehmen beauftragt sie regionale Handwerker und Lieferanten für den Betrieb und Erhalt des flächendeckenden Filialnetzes sowie der technischen Infrastruktur. Als Kreditgeber ermöglicht sie durch Bündelung von lokalen Spareinlagen den Bau von Wohnhäusern und Produktionsstätten sowie den Export und Import von Waren und Erzeugnissen.

Als Bestandteil der genossenschaftlichen Finanzgruppe schafft die Volksbank Stuttgart eG aber nicht nur regionale Werte; durch Bezug von Leistungen aus zentralen Rechenzentren sowie der Ergänzung eigener Produkte durch Produkte von genossenschaftlichen Partnerunternehmen entstehen sowohl nationale als auch internationale Wertschöpfungsbeziehungen; beispielsweise über global investierende Aktienfonds der Union Investment.

Ob beim lokalen Leistungsbezug oder bei der Einbeziehung von Produkten der genossenschaftlichen Finanzgruppe: das Vorhandensein ökologischer, menschenrechtlicher oder gesellschaftlicher Standards ist in allen Fällen Voraussetzung für eine Zusammenarbeit, welche die Ausbeutung von Menschen oder die Spekulation mit Nahrungsmitteln konsequent ausschließt. Denn wie im Gründungsjahr 1865 gilt bei der Volksbank Stuttgart eG auch über 155 Jahre später das Grundverständnis der genossenschaftlichen Werte Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.

Werte schaffen Werte: die Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe

Werte schaffen Werte: die Unternehmen der genossenschaftlichen Finanzgruppe

Das genossenschaftliche Prinzip

Werte leben

Meine Heimat. Meine Bank.

Corona hat uns vorallem eines gezeigt: Nur miteinander sind wir wirklich stark.

Zwei Meter Abstand halten, Maske tragen, nur eine begrenzte Anzahl an Menschen treffen, dazu keinerlei kulturelle Veranstaltungen, keine Feste, nichts. Nie war es schwieriger, sich als Gemeinschaft zu fühlen als 2020. Und nie war das Bedürfnis danach größer.

Eine Gemeinschaft gibt Kraft – sei es die Familie, die Freunde oder der Verein. Auch ein gutes Arbeitsumfeld verleiht uns Stabilität und Sicherheit. Als starke Genossenschaftsbank unterstützen wir diese regionalen Strukturen in vielfältiger Weise, als verlässlicher Finanzpartner, engagierter Förderer und verantwortungsbewusster Arbeitgeber. Auch in schweren Zeiten.

Das genossenschaftliche Prinzip
Das genossenschaftliche Prinzip

Das Bankier Prinzip

Vom Kunden zum Bankier

Bei der Volksbank Stuttgart eG sind Kunden zugleich Miteigentümer der Bank.

Die Volksbank Stuttgart eG bietet ihren Kunden die Möglichkeit, sich als Bankier* an ihrer Bank zu beteiligen und damit Teil einer großen Gemeinschaft zu werden.

Das Bankier Prinzip

Durch eine Einlage von mindestens 50 Euro sind Kunden zugleich Miteigentümer der Bank und damit direkt – mit einer jährlichen Dividende – am Erfolg beteiligt. Darüber hinaus können sie über ihr Stimmrecht bei der Vertreterwahl die Unternehmenspolitik aktiv mitgestalten. Jeder Bankier hat, unabhängig von der Anzahl seiner Geschäftsanteile, das gleiche Stimmrecht. Die Vertreter wiederum wählen den Aufsichtsrat, der gemeinsam mit dem Vorstand in der Vertreterversammlung Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr ablegt. Wer als Bankier selbst dabei sein und Fragen zur Geschäftsentwicklung der Bank stellen möchte, kann sich auch persönlich als Vertreter aufstellen lassen. Zusätzlich zu Dividende, Stimmrecht und möglichem Vertreterstatus erhalten Bankiers zahlreiche exklusive Lösungen für viele Bank- und Versicherungsgeschäfte sowie attraktive Bankier Extras, wie zum Beispiel vergünstigte Eintrittspreise in Museen.

* nicht im Sinne des § 39 KWG

Martha's
Pia Nowotny hat nicht nur ihr Hobby zum Beruf gemacht, sondern auch ihre Überzeugung. Im Martha’s kommen ausschließlich hochwertige, regionale Produkte auf den Teller und ins Glas. Neben dem Lokal im Königsbau bewirtschaftet sie mit ihrem Team eine Terrasse auf dem Schlossplatz sowie einen Stand auf dem Wochenmarkt und bietet zudem ein Catering an.

Martha's

Das Erfolgsrezept Qualität

Pia Nowotny gründete vor zehn Jahren den Slow Food-Imbiss Martha's - eine Hommage an ihre Großmutter und an das einfache, gute Essen.

Einen gut bezahlten Job aufgeben, um einen Slow Food-Imbiss zu gründen, noch dazu in einem übersättigten Markt, der vor Gastronomie nur so wimmelt – diese Entscheidung trifft man nicht auf Basis eines Businessplans. Das ist reines Bauchgefühl, gewürzt mit viel Leidenschaft und einer kleinen Prise Übermut. „Jetzt oder nie“, dachte sich Pia Nowotny vor über zehn Jahren. Da war ihr Sohn zwei Jahre alt und ihr damaliger Job als Dozentin bot ihr nicht genügend Spielraum, um Seminartermine und Familie unter einen Hut zu bekommen. Sie kündigte und kochte fortan ihr eigenes Süppchen. Zwei Jahre lang arbeitete sie an dem Konzept für ihr Gastro-Projekt. Die entscheidungsfreudige Bankfachwirtin wusste genau, was sie wollte: „Etwas Ordentliches auf die Schnelle, ganz ohne Schnick-Schnack“. Keine Austern, kein Blattgold, dafür einfache Gerichte, aus guten Grundzutaten zubereitet.

Mindestens genauso wichtig wie die Qualität war ihr der Standort. „Der Schlossplatz ist das Wohnzimmer der Stadt. Wenn irgendwo Bedarf an einem schnellen, hochwertigen Essen besteht, dann dort“, erklärt Nowotny, die selbst jahrelang bei verschiedenen Banken in der Stuttgarter Innenstadt gearbeitet hat. So kam es zu ersten Gesprächen mit dem Königsbau. Als ihr im historischen Teil eine Fläche angeboten wurde, griff sie zu. Obwohl ihr der Laden mit 48 Quadratmetern eigentlich zu groß war.

Der Geschmack der Kindheit

Nun brauchte die frischgebackene Imbissgründerin nur noch einen Namen für ihr zukünftiges Lokal. Nichts lag näher als Martha, der Name ihrer Oma. Als Schülerin war Pia Nowotny einmal die Woche bei ihr zum Essen. Da gab es geschmälzte Maultaschen mit Kartoffelsalat, selbstgemachte Spätzle oder Gaisburger Marsch. Grundsolides Großmutter-Essen, in guter, alter Küchenschürzenmanier verfeinert. „Wenn ich bei meiner Oma übernachtet habe und um zehn Uhr abends noch Hunger bekam, dann kochte sie mir einen Grießbrei“, erinnert sich die 49-Jährige ein bisschen wehmütig an die Kochkünste der Oma.

Hier gibt’s eine Extrawurst

Hier gibt’s eine Extrawurst

Hinsetzen, verwöhnt werden mit einem Essen, an das man sich gerne erinnert – genau das möchte Pia Nowotny auch für ihre Gäste im Martha’s. Auf die Karte kommt nur, was der Wirtin schmeckt. Für die Rezeptur ihrer Currysoße beispielsweise stand sie tagelang in der Küche und hat experimentiert. „Wie im Versuchslabor ging das zu“, erzählt sie lachend. „Ich habe unzählige Kochversuche durchgeführt und immer fleißig mitgeschrieben, bis ich die richtige Mischung hatte.“ Entscheidend sei das Curry, verrät die Selfmade-Gastronomin. Und die Wurst. Die Oberländer für Martha’s Currywurst stammt von artgerecht gehaltenen Stauferico®-Schweinen auf der Ostalb. Die Rote wiederum vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein. Pia Nowotny kauft dabei kein Produkt „von der Stange“, sondern lässt die Würste speziell nach ihrem Rezept herstellen. „Ich weiß genau, woher das Fleisch kommt, welche Sorte verwendet wird und welche Gewürze darin sind“, erklärt sie. „Und ich weiß vor allem, was sich nicht darin befindet, nämlich Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Aromen.“

Was den Begriff „Regionalität“ angeht, ist Pia Nowotny streng. Ob es um das Fleisch für die Wurst geht, das Mehl für das Bauernbrot oder den Cider für den Aperol – ihr ist wichtig, dass die Waren für ihr Lokal auch lokal produziert werden. Heißt: auf der Alb, im Hohenlohischen oder im Remstal. „Was bringt mir ein Metzger, der hier zwar ansässig ist, aber zweimal die Woche eine Lieferung von weither bekommt.“ In der Hinsicht macht sie keine Abstriche. Selbst das Eichenholz für die Innenausstattung stammt aus heimischen Wäldern.

Gute Zutaten sind ein Geschenk

„Nix aus dem Eimer“ – diese Grundüberzeugung durchzieht das gesamte Sortiment des Martha’s. Pia Nowotny verbindet Imbisskultur mit dem Qualitätsanspruch der gehobenen Gastronomie. „Ich verwende teilweise die gleichen Zutaten wie Vincent Klink, nur eben anders“, erklärt sie ihr Geschäftsmodell. Dazu gehört selbstredend auch die Verpackung. Plastik in Form von Pet-Flaschen, Dosen und Strohhalmen, die normalerweise zur Grundausstattung eines Imbisses gehören, sucht man im Martha’s vergebens. Und wer (hoffentlich bald wieder) auf den stabilen Holzhockern Platz nimmt und herzhaft in den saftigen Burger vom Albbüffel beißt, der kann es schmecken, das Gefühl: Hier ist die Welt in Ordnung.