Der Bienenschwärmer

Wir brauchen die Biene und die Biene braucht uns, dieses Bewusstsein will Tobias Miltenberger vermitteln. Der Bio-Imker lebt mit und für Bienen. Die große Faszination für seine summenden kleinen Lieblinge teilt er gerne mit anderen. Gemeinsam mit seinem Team in der Initiative proBiene leistet der Bienen-Lobbyist Aufklärungs- und Bildungsarbeit mit Projekten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, gibt Imkerkurse, engagiert sich für die Verbreitung der Öko-Imkerei und ist politisch im Natur- und Artenschutz aktiv. Außerdem schreibt Tobias Miltenberger Bücher – natürlich über die Biene – und betreibt beruflich eine eigene Demeter-Imkerei.

Dass er sich bei all diesen Aktivitäten auch noch Zeit für ein Gespräch mit uns genommen hat, freut uns sehr.

Hallo Herr Miltenberger, woher kommt eigentlich Ihre Schwärmerei für die Biene?

Infiziert hat mich die Bienenbegeisterung während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Argentinien vor 25 Jahren. Ich habe dort an Sozial- und Ausbildungsprojekten für Jugendliche mitgearbeitet, wozu auch eine Imkerei gehörte. Seither hat mich die Biene nie mehr losgelassen.

Nach meiner Rückkehr aus Südamerika habe ich meinen erlernten Beruf als Elektroniker in der Autoindustrie an den Nagel gehängt. Ich wollte etwas verändern, mich sinnvoll und ökologisch engagieren und bin schließlich auch beruflich bei der Biene gelandet. Ich habe Landwirtschaft studiert und auch hier war die Biene mein Herzensthema, was viele meiner Kommilitonen wohl eher skurril fanden. Dabei ist Ackerbau ohne Bienen gar nicht denkbar, schon deshalb müsste die Landwirtschaft besonders bienenfreundlich sein.

Warum setzen Sie sich so für den Bienenschutz ein?

Das hat emotionale und rationale Gründe. Ich mag sie einfach. Und sie sind ja auch faszinierende Lebewesen mit ihrer Gemeinschaftsorganisation, ihrer kollektiven Intelligenz und ihrer einzigartigen Kommunikation.

Bei diesen kleinen Wundern der Natur kommen auch erfahrene Imker immer wieder ins Staunen. Zwischen Menschen und Bienen besteht eine uralte und tiefe Beziehung, die in manchen Kulturen auch religiöse Züge hat.

Immerhin hängt die Ernährungssicherheit der Menschheit von ihrer Bestäubungsleistung ab, auch für die künftigen Generationen. Mir ist es wichtig, diese Verbindung zu pflegen, mit viel Respekt und Verantwortung.

Wie steht es allgemein um die Bienen, sind sie vom Aussterben bedroht?

Die Westliche Honigbiene ist noch nicht akut vom Aussterben bedroht, was aber nicht heißt, dass es ihr gut geht.

Schlimmer sieht es aus bei der Dunklen Biene, einer ursprünglichen Unterart der Honigbiene, ebenso bei den Wildbienen, hier stehen etwa 40 Prozent aller Arten auf der roten Liste.

Viele Entwicklungen der letzten Jahre schaden den Bienen, vor allem der Pestizid-Einsatz und die Monokulturen in der Landwirtschaft, der Rückgang der natürlichen artenreichen Habitate und damit der Nahrungsquellen. Davon ist auch die Honigbiene betroffen, deshalb müssen wir uns um sie kümmern, um ihr Überleben zu sichern. Das heißt ihre Lebensräume schützen, Nahrungsangebote schaffen und sie gegen Krankheiten behandeln. Und uns von der Intensivimkerei verabschieden, die auf maximale Honigausbeute aus ist und Krankheitserreger wie die Varroamilbe begünstigt.

Was machen Öko-Imker anders?

Bio-Imker nach dem Demeter-Standard orientieren sich in der Bienenhaltung an den natürlichen Bedürfnissen der Tiere, im Mittelpunkt steht ihr Wohlbefinden und nicht das Profitinteresse der Menschen.

Praktisch hat das viele Facetten. Unter anderem setzen wir auf standortangepasste Bienen in ihrem natürlichen Lebensraum statt auf spezielle „Leistungsrassen“, die auf Masse und Ertrag hochgezüchtet sind. In der Intensivimkerei ist es zum Beispiel üblich, die Bienenkönigin künstlich zu besamen und ihre Flügel zu beschneiden, um sie am Ausfliegen zu hindern. Das lehnen wir ab.

Wir setzen auch keine vorgefertigten Kunststoff- oder Wachswabenwände in den Bienenstock, sondern lassen die Bienen ihre Naturwaben selbst bauen. Und wir entnehmen relativ wenig Honig und belassen den Großteil für die Überwinterung im Stock.

Was können wir alle unternehmen, um den Lebensraum der Bienen zu schützen?

Mit unserem Konsum bestimmen wir alle mit, wie es den Bienen geht. Je mehr Menschen sich für Bio-Lebensmittel entscheiden, desto weniger Pestizide werden verwendet. Und ökologisch bewirtschaftete Flächen fördern die Artenvielfalt. Dazu kann jeder auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon beitragen. Vielfältige Pflanzen, Sträucher und Kräuter, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, bieten den Bienen bis in den Spätsommer hinein Nahrung. Es gibt ja inzwischen in jedem Supermarkt Samentütchen für die Bienenweide zu kaufen. Dabei sollte man aber Mischungen nehmen, die zur regionalen Artenwelt passen und ohne Chemie oder synthetische Düngung erzeugt wurden. Besonders wichtig sind dabei Spätblüher wie Kornblumen, Klatschmohn, Ringelblumen , weil ab Juli die Nahrung für die Bienenvölker knapp wird.

Worauf sollte man beim Kauf von Honig, beispielsweise im Supermarkt, achten?

Achten Sie auf regionale und ökologisch erzeugte Produkte, wenn Sie etwas für die Bienen tun und zugleich wohlschmeckenden, gesunden Honig genießen wollen. Schauen Sie aufs Etikett: Wenn dort als Herkunftsbezeichnung „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ angegeben ist, wird der Honig in der Regel in großen Kontingenten vom Handel erworben und intensiv behandelt.

In der industriellen Produktion wird der Honig erhitzt, dabei gehen sortentypische Aromen und wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Am besten ist es, wenn Sie sich einen Imker in der Nähe suchen. Mit dem können Sie sprechen und sich aufzeigen lassen, ob die Bienen artgerecht gehalten werden und wie der Honig produziert wird.

Was verbindet Sie mit der Volksbank Stuttgart eG?

Ich bin privat mit meiner Hausfinanzierung Kunde bei der Volksbank Stuttgart und weiß das zu schätzen. Als Selbständiger, noch dazu Imker und Naturschutzaktivist, war ich ja nicht gerade der ideale Wunschkunde für eine Bank oder Sparkasse, da haben einige schnell abgewunken, zumal in der Corona-Zeit. Genossenschafts-Mitglied bin ich aber schon länger, seit der Gründung meiner ersten Demeter-Imkerei. Ich finde, der Genossenschaftsgedanke ist eine sehr gute Sache, vor allem auch, weil man als Mitglied Einfluss nehmen kann.

© Tobias Miltenberger

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Tobias Miltenberger