Wirtschafts-Kompetenz für alle

Schon mit 17 Jahren entdeckte Markus Gürne seinen Beruf oder besser: seine Berufung als Journalist. Als Korrespondent in Krisenregionen der Welt lernte er nicht nur, mit Risiken umzugehen, sondern auch, wie eng Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kapitalmärkte miteinander verwoben sind.

Heute erläutert er diese Zusammenhänge in verschiedenen Finanz- und Wirtschaftssendungen der ARD. Immer verständlich auch für alle, die kein Wirtschaftsstudium absolviert haben. Und oft mit einer guten Portion knitzem Humor.

Markus Gürne in Wirtschaft vor acht

Interview mit Markus Gürne

Herr Gürne, wie kam es dazu, dass Sie schon als 17-jähriger Schüler in der Redaktion des damaligen Süddeutschen Rundfunks mitgearbeitet haben?

Ich hatte zuvor in der Poststelle des Senders in den Ferien gearbeitet. Und dann eine der Assistentenstellen in der Sportredaktion für das Wochenende bekommen. Und da begann dann das Interesse am Journalismus.

Seit damals sind Sie praktisch ununterbrochen journalistisch tätig, was bedeutet Ihnen dieser Beruf?

Es ist vor allem Berufung. Ich habe das große Glück, eine Arbeit gefunden zu haben, die mich jeden Tag aufs Neue fasziniert, und ich möchte gerne eines: meine Landsleute schlauer machen, aber sie nicht missionieren.

Die Börsenberichterstattung war schon früh Ihr Thema, was hat Sie dann veranlasst, eine Spezialausbildung zum Krisen- und Kriegsreporter zu machen?

Der SWR ist zuständig für die Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten. Ich wollte da gerne Vertretung machen, hatte mich beworben und wurde genommen. Weil auch unter anderem Bagdad zum Berichtsgebiet gehört, war eine solche Ausbildung nicht nur sinnvoll, sondern nötig.

Haben Sie dabei etwas gelernt, was Sie in Ihrer Zeit als ARD-Auslandskorrespondent tatsächlich gebraucht haben?

Allerdings, diese Ausbildung war wohl die wichtigste meines Lebens, denn die hat mir in den Jahren danach in den Auslandsgebieten wahrscheinlich die Gesundheit, vielleicht sogar mehr gerettet.

Warum haben Sie von den Krisengebieten der Weltpolitik wieder ins „Krisengebiet“ Finanzwelt gewechselt?

Nach einigen Jahren im Ausland ist immer Schluss, das ist im Vertrag geregelt. Ich wollte gerne wieder dorthin, wo ich einst begonnen habe: in der Wirtschafts- und Finanzberichterstattung. Da habe ich zu meinen Zeiten beim SWR viel gemacht – und auch im Ausland immer wieder. Es war auch immer spannend zu sehen, wie die anderen das so machen. Der Blick über den Tellerrand hilft, – auch um selbst besser zu werden.

Sie bringen den Menschen schwierige Finanz- und Wirtschaftsthemen näher und wurden dafür auch ausgezeichnet, was treibt Sie an dabei?

Ich bin als Halbwaise aufgewachsen mit drei deutlich älteren Geschwistern. Meine Mutter hat sich so sehr strecken müssen, damit wir alle Abitur machen konnten. Ich habe also am eigenen Leib früh gemerkt, wenn man etwas erreichen möchte, dann muss man etwas dafür tun. Gott sei Dank gibt einem dieses Land und diese Gesellschaft die Chance dazu – und ich habe sie aufgrund meiner eigenen Geschichte früh erkennen müssen und auch können. Ich möchte, dass meine Landsleute erkennen, was sie selbst erreichen können, und dass Finanzbildung nie aufhört – und mitunter sogar unterhaltsam sein kann.

Die Zeiten sind schwierig, viele Menschen verunsichert – blicken Sie dennoch optimistisch in die Zukunft der Wirtschaft und der Kapitalmärkte? Wenn ja, warum?

Ja, ich bin optimistisch. Ich war viele Jahre in Ländern, in die die meisten nicht gerne reisen würden. Ich kenne also Staaten, in denen nichts oder nur wenig funktioniert, das Leben schwer oder dazu auch noch gefährlich ist. Es geht uns schon sehr gut hier – trotz allem. Wir haben hier sehr viel mehr zu bieten als die allermeisten anderen Länder der Welt. Sicherlich gibt es auch in diesem Land einiges zu verbessern und das sollten wir in einer guten Debattenkultur auch tun, sonst wird man ja nicht besser.

Unsere Volkswirtschaft ist trotz allem stark, der Staat übrigens ebenso. Jetzt ist die Zeit des starken Staates, der dort unterstützen muss, wo Hilfe nötig ist. Wir haben einen widerstandsfähigen Mittelstand, von dem man vor allem dessen Pragmatismus lernen kann. Das ist beeindruckend. Und was den Finanzmarkt anbelangt: Die Achterbahnfahrt wird anhalten, zu unsicher sind die Zeiten. ABER: Was passiert, folgt an vielen Stellen einem Plan. Nämlich den Zyklen in einem kapitalistischen System. Da geht es rauf und runter. Das Wichtigste ist, wir wissen, dass es runtergeht. Wir wissen nicht wie tief, aber wir kennen die Richtung. Also kann man auch gegensteuern. Und das ist viel wert. Zum guten Schluss: Ich habe großes Vertrauen in meine Landsleute, dass wir als Gesellschaft diese Zeit durchstehen und dann erfreut feststellen, dass auch wieder andere Zeiten kommen.

Welchen Rat können Sie Anlegern für ihre Vorsorge und den Vermögensaufbau mit auf den Weg geben?

Die Leute verstehen viel mehr von Finanzen, als sie selbst glauben. Meistens trauen und vertrauen sie den eigenen Überlegungen nicht oder auch dem Bauchgefühl. Es könnte ganz einfach sein. Sich selbst die Frage stellen, was gefällt mir eigentlich und was nicht? Und mit so einer simplen Liste kommt man schon mal weiter, als man glaubt.

Sie leben schon lange nicht mehr hier, sind aber bis heute bekennender Kickers-Fan, was verbindet Sie sonst noch mit Stuttgart?

Ich komme immer wieder gerne in meine Heimat zurück. Zu Hause war ich schon in vielen Ländern und Städten, jetzt schon geraume Zeit bei Frankfurt am Main. Aber Heimat, die gibt‘s nur einmal. Die Erinnerungen, die Sprache und auch die Kultur im Südwesten.

Herr Gürne, herzlichen Dank für das Gespräch.

© Markus Gürne

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