Gab es Künstler, die sich erst später als Highlight herausstellten?
Bruno Mars hatten wir mal als Support für Travis McCoy im Keller Klub mit ca. 250 Gästen – wenige Jahre später mit 12.000 in der Schleyerhalle. Coldplay spielten in der Sporthalle Böblingen, bevor sie zum Stadionact wurden, Rage Against the Machine und Nirvana vor ihrem Durchbruch im LKA Longhorn. Und natürlich das Konzert der damals quasi unbekannten AC/DC 1977 im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus, ganz am Anfang unserer Unternehmensgeschichte – und lange vor meiner Zeit.
Und wen würden Sie gern (noch) einmal engagieren?
Das sind bei mir persönlich Acts, bei denen das leider nicht mehr möglich ist, wie Queen, die ich selbst nie live erlebt habe, oder Led Zeppelin.
Was würden Sie noch als Meilensteine Ihrer Unternehmensgeschichte bezeichnen?
Insgesamt ist es eher eine kontinuierliche Entwicklung, in der wir uns einen Namen als Kulturproduzent, als Kulturstiftender in der Stadt erarbeitet haben. Die wirklichen Meilensteine sind eher die gelebten, langfristigen Partnerschaften mit den Tourneeveranstaltern.
Gibt es Künstler, die Sie besonders beeindruckt haben?
Generell beeindruckend finde ich Menschen, die sich trotz großer Bekanntheit und einem Leben in der Öffentlichkeit – das ja auch nicht immer nur positive Aspekte mit sich bringt – eine gewisse Bodenständigkeit erhalten haben. Mit dem Fahrrad vom Hotel in die Halle zu fahren oder im Crewzelt aufzutauchen und mit dem Personal vor Ort eine Wurst im Brötchen zu genießen, im Vorbeigehen ein „Hallo!“ oder ein „Vielen Dank und auf Wiedersehen!“: Kleine normale Dinge können manchmal sehr erfrischend sein.
Musikstreaming wird zunehmend von KI-Inhalten geflutet. Beobachten Sie einen Gegentrend zu mehr Verlangen nach Live-Veranstaltungen?
Nach Corona hat das Veranstaltungsgeschehen relativ schnell wieder seinen gewohnten Gang genommen – und damit auch die Wahrnehmung, dass der Live-Moment bei den Leuten eine hohe Wertigkeit genießt und sie das auch suchen. Aber eine klassische Gegenbewegung zum Streaming und den KI- oder ähnlichen Inhalten würde ich bisher eher nicht sehen.
Ich denke, dass dieses Erlebnis live an einem Ort mit anderen Gleichgesinnten etwas Besonderes, Erhaltenswertes und nicht digital Reproduzierbares ist. Es wird immer einen Markt dafür geben. Die Frage wird sein, welchen Wert Menschen dem zukünftig beimessen.
Wie viele Konzerte für wie viele Gäste organisiert Ihr Büro?
Das schwankt; in den letzten Jahren waren es 200 bis 250 Veranstaltungen im Jahr, von Extrem-Metal im Club bis hin zu Pop und Rock im Stadion. Allein eine unserer Stammveranstaltungen, der Weltweihnachtscircus Stuttgart auf dem Wasen, zieht jeden Dezember um die 120.000 Besucher an. Ich kann jetzt nur schätzen, aber eine mittlere sechsstellige Besucherzahl wird es in einem durchschnittlichen Jahr wohl sein.
Sie sind ein wichtiger kultureller Akteur in der Region – und arbeiten als Mitglied der Volksbank Stuttgart auch mit einer regionalen Bank zusammen. Seit wann und warum?
Seit den ersten fünf Mark aufs Jugendsparbuch hat unser Gründer Hans-Peter Haag ein Privatkonto bei der Volksbank; unser Unternehmen hat ein Geschäftskonto und ist auch Anteilseigner.
Bei unserer Unternehmensgröße ist ein persönlicher Bezug wichtig und befruchtend. Es ist ein Vorteil, wenn man sich in die Augen gucken kann, wenn man sich kennt; wenn die Bank weiß, was wir machen, wie es um unsere Branche steht. Mit Partnern zu arbeiten, die wie wir in der Region agieren und verwurzelt sind, ist aus unserer Perspektive wertvoll. Unser gemeinsamer BankierDeal für Samu Haber und Fitzeks „Einladung“ ist ein kleines, aber schönes Symbol dafür.
Wie viele Veranstaltungen besucht man als Veranstalter selbst?
Relativ viele, etwa 90 % der Veranstaltungen, die man als Person verantwortet. Das sind oft mehr als 50 Termine im Jahr, auch wenn man dann nicht die Zeit hat, sich das alles komplett anzuschauen. Bei mir ist es etwas weniger geworden, weil ich mich mehr um die Verwaltung kümmere. Auch überlege ich persönlich eher, was ich nach 30 Jahren in dem Metier noch (mal) unbedingt sehen muss – zumal es ja noch andere Dinge gibt abseits von Beruf und Musik.
Frank Georgiadis, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Freude dabei, vielen Menschen Freude zu bereiten!