Frauen in Deutschland verdienten 2025 im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde als Männer. Diese Lohnlücke wird als Gender Pay Gap bezeichnet und hat für Frauen weitreichende Folgen – von der monatlichen Haushaltskasse bis zur Rente.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wo Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der EU beim Gender Pay Gap steht und warum das Lohngefälle zwischen Ost und West immer noch schwankt. Wir beleuchten die tieferliegenden Ursachen für die Lohnunterschiede, erklären Ihre gesetzlichen Rechte und zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie als Frau trotz der Gehaltsschere erfolgreich Vermögen aufbauen können.
Das Wichtigste zum Gender Pay Gap auf den Punkt
Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2025 pro Stunde brutto 22,81 € und Männer 27,05 €. Die Differenz von 4,24 € entspricht dem Gender Pay Gap in Deutschland.
Der bereinigte Gender Pay Gap liegt bei 6 %. Er zeigt die Lohnlücke, die bei vergleichbaren Berufen, Qualifikationen und Arbeitszeiten verbleibt.
Die Ursachen für die geschlechterspezifischen Lohnunterschiede umfassen unter anderem die unterschiedliche Berufswahl, eine hohe Teilzeitquote bei Frauen und längere Karrierepausen durch Care-Arbeit.
Die Lohnlücke wirkt langfristig: Sie senkt das Lebenseinkommen, die Rente und das aufgebaute Vermögen bei Frauen. Eine frühe Vorsorge kann diesen negativen Effekten entgegenwirken.
Definition: Was ist der Gender Pay Gap?
Der Gender Pay Gap fungiert als Kennzahl für die geschlechtsspezifische Verdienstlücke in Deutschland. Er beziffert den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern und macht damit die ökonomische Diskrepanz in der Arbeitswelt messbar. Das Statistische Bundesamt erhebt diese Daten jährlich, um die Fortschritte – oder den Stillstand – bei der finanziellen Gleichstellung abzubilden.
Die Bedeutung des Gender Pay Gap reicht weit über die aktuelle Lohnabrechnung hinaus: Sie ist ein Indikator für strukturelle Barrieren und ungleiche Erwerbschancen. Da die Lohnlücke direkte Auswirkungen auf das verfügbare Einkommen und die spätere Absicherung hat, bildet sie die Grundlage für die Debatte um faire Entlohnung und wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Bereinigter und unbereinigter Gender Pay Gap im Vergleich
Der Gender Pay Gap stützt sich auf eine standardisierte Berechnung des Statistischen Bundesamtes. Er wird in einer unbereinigten und eine bereinigte Kennzahl ausgewiesen. Beide Werte messen unterschiedliche Aspekte der Lohnlücke.
Unbereinigt: Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den durchschnittlichen Bruttostundenverdienst aller Frauen und Männer. Er lag 2025 bei 16 %. Dieser Wert bildet die reale Differenz im Verdienst auf dem Arbeitsmarkt ab. Er enthält strukturelle Faktoren wie unterschiedliche Berufe, Branchen und Arbeitszeiten.
Bereinigt: Beim bereinigten Gender Pay Gap rechnet das Statistische Bundesamt diese strukturellen Unterschiede heraus. Berücksichtigt werden vergleichbare Berufe, Qualifikationen, Branchen und Arbeitszeiten. Übrig bleibt der Anteil der Lohnlücke, der sich nicht durch diese Merkmale erklären lässt und unter anderem auf direkte Diskriminierung hinweisen kann. Er betrug 2025 bei 6 %.
Wie hoch ist der Gender Pay Gap in Deutschland?
Im Jahr 2025 verdienten Frauen in Deutschland pro Stunde brutto im Durchschnitt 22,81 €. Männer kamen im Schnitt auf 27,05 € – und damit auf 4,24 € mehr pro Stunde. Diese Differenz markiert den aktuellen Stand des unbereinigten Gender Pay Gap. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte diese Zahlen zum Gender Pay Gap in seiner Statistik im Dezember 2025.
Der Blick auf die letzten Jahre zeigt sowohl Fortschritt als auch Stillstand. Wie sich der unbereinigte Gender Pay Gap entwickelt hat, zeigt die folgende Übersicht:
Unbereinigter Gender Pay Gap in Deutschland
in Prozent des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer
Auch die Branche beeinflusst den Gender Pay Gap in Deutschland. Im öffentlichen Dienst beträgt die Lohnlücke nur 4 %, in der Privatwirtschaft dagegen 17 %. Ein Grund dafür könnte im Tarifsystem liegen. Tarifverträge, die feste Gehaltsstufen vorgeben, tragen dazu bei, dass Frauen und Männer den gleichen Lohn erhalten.
Ost- und Westdeutschland: Warum ist die Lohnlücke regional unterschiedlich?
Wer sich die Entwicklung des Gender Pay Gap nach Region anschaut, erkennt einen deutlichen Unterschied zwischen Ost und West. In Westdeutschland liegt der unbereinigte Wert aktuell bei 17 %, in Ostdeutschland dagegen bei nur 5 %.
Dieser Abstand reicht historisch weit zurück und könnte seine Ursachen in der DDR-Zeit haben. Die damalige Tradition, nach der Frauen in den neuen Bundesländern meist in Vollzeit beschäftigt waren, könnte bis heute nachwirken. Im Westen dagegen könnten sich klassische Rollenbilder länger gehalten haben: Frauen übernehmen die Care-Arbeit und reduzieren ihre Arbeitszeiten, wenn sie Kinder bekommen oder Angehörige pflegen, was wiederum zu einer höheren Teilzeitquote führt.
Wie schneidet Deutschland im EU-Vergleich ab?
Im EU-Vergleich des Gender Pay Gap zählt Deutschland nicht zu den Vorreitern bei der Lohngleichheit. Die Unterschiede sind enorm:
Schlusslichter in der EU: Größere Lohnlücken als Deutschland verzeichnen Estland, Tschechien, Österreich, Ungarn, Finnland und die Slowakei.
Mittelfeld: Spürbar besser als Deutschland stehen Länder wie Frankreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark da.
Vorreiter in der EU: Die kleinsten Lohnlücken verzeichnen Polen, Belgien und Rumänien. In Luxemburg verdienen Frauen statistisch gesehen sogar leicht mehr als Männer.
Der Gender Pay Gap ist ein globales Phänomen. Der Global Gender Gap Report 2025 des Weltwirtschaftsforums vergleicht 148 Länder weltweit. Er betrachtet nicht nur Löhne, sondern auch Bildung, Gesundheit und politische Teilhabe. Deutschland belegt in diesem Ranking Platz 9 und steht damit besser als die meisten Industrienationen. Die Weltspitze führt seit 16 Jahren in Folge Island an. Auch die anderen nordischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden gehören zur Weltspitze. Außerhalb Europas zeigen sich noch größere Unterschiede. Südkorea und Japan sind Länder mit besonders hohen Lohnlücken. In vielen Industrieländern bleibt die Lohngleichheit am Arbeitsmarkt eine offene Aufgabe.
Welche Ursachen hat der Gender Pay Gap?
Der Gender Pay Gap hat mehrere Ursachen und Gründe, die ineinandergreifen. Dazu gehören:
Berufswahl und Branchen
Frauen und Männer wählen häufig unterschiedliche Berufe. Frauen arbeiten oft in Erziehung, Pflege und sozialen Dienstleistungen. Männer sind stärker in Technik, Handwerk und Industrie vertreten. Berufe mit hohem Frauenanteil werden im Durchschnitt schlechter bezahlt.
Teilzeit und Care-Arbeit
49 % der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 12 %. Teilzeit bedeutet meist niedrigere Stundenlöhne und seltenere Karrieresprünge. Frauen übernehmen außerdem 43 % mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer, etwa für Kinder, Haushalt oder Pflege. Diese Aufgabenverteilung wirkt sich direkt auf das Erwerbsleben aus.
Karriereunterbrechungen
Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer. Die Pausen entstehen vor allem durch Elternzeit und Familienpflege. Nach längeren Auszeiten gelingt der Wiedereinstieg häufig nur in Teilzeit. Karrieresprünge und Lohnerhöhungen verschieben sich dadurch.
Direkte Diskriminierung im bereinigten Anteil
Auch nach Bereinigung um messbare Faktoren bleibt eine Lücke von 6 %. Diese unerklärte Differenz deutet auf nicht messbare Einflüsse hin. Dazu gehören stereotype Bewertungen von Frauenarbeit, ein zurückhaltenderes Verhandeln im Bewerbungsgespräch oder eingeschränkter Zugang zu Weiterbildung. Ein Teil dieser Lücke entspricht direkter Diskriminierung.
Welche Folgen hat der Gender Pay Gap für Frauen?
Die Lohnlücke ist mehr als ein Monatsbetrag. Sie summiert sich über das gesamte Erwerbsleben und wirkt bis ins Rentenalter nach. Fünf Folgen treffen Frauen dabei besonders deutlich:
Geringere Lebenseinkommen: Frauen verdienen über das gesamte Berufsleben hinweg deutlich weniger als Männer. Damit fehlen Mittel für Konsum, Sparen und Vermögensaufbau.
Erhöhtes Armutsrisiko: Wer dauerhaft weniger verdient, gerät schneller in finanzielle Abhängigkeit. Alleinerziehende Mütter trifft das besonders: Ihr Einkommen deckt häufig kaum den Lebensunterhalt der Familie.
Rentenlücke im Alter: Die niedrigeren Einkommen führen zu niedrigeren Rentenansprüchen. In Deutschland erhalten Frauen im Schnitt rund 36 % weniger eigene Rente als Männer.
Steuerliche Fehlanreize: Modelle wie das Ehegattensplitting bremsen den finanziellen Anreiz für Frauen, mehr zu arbeiten. Durch die Steuerprogression lohnt sich Mehrarbeit häufig weniger als erwartet.
Teilzeit- und Karrierefalle: Wer Familie und Beruf vereinbaren möchte, reduziert oft die Arbeitszeit oder wechselt in einen Minijob. Aufstiegschancen sinken dadurch und die Lohnlücke wächst weiter.
Welche Gesetze regeln gleiche Bezahlung?
In Deutschland und der EU gibt es mehrere gesetzliche Regelungen zum Thema Lohngleichheit. Diese Regelungen sollen Entgeltgleichheit fördern, Diskriminierung verhindern und die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt stärken.
Entgelttransparenzgesetz
Das Entgelttransparenzgesetz gilt seit Juli 2017. Es zielt auf gleiche Bezahlung bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit ab. Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten haben einen individuellen Auskunftsanspruch. Sie erfahren das durchschnittliche Gehalt einer Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts in ihrem Betrieb. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen außerdem über Maßnahmen zur Entgeltgleichheit berichten.
EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Die EU-Richtlinie 2023/970 ist im Juni 2023 in Kraft getreten. Die Mitgliedstaaten haben bis Juni 2026 Zeit, die Vorgaben in nationales Recht zu überführen. Die Richtlinie geht deutlich weiter als das bisherige deutsche Gesetz: Arbeitgeber nennen Gehaltsspannen schon in der Stellenausschreibung. Die Richtlinie verbietet Fragen nach dem bisherigen Gehalt im Bewerbungsgespräch. Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten berichten ab 2027 jährlich über die Lohnlücke. Bei einem unerklärten Gefälle ab 5 % folgt eine gemeinsame Entgeltbewertung.
Mindestlohn
Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 1. Januar 2026 13,90 € pro Stunde. Frauen profitieren überdurchschnittlich, weil sie häufiger im Niedriglohnbereich arbeiten. Der Mindestlohn wirkt damit als Hebel gegen die Lohnlücke am unteren Rand der Lohnskala.
Der Equal Pay Day macht den Gender Pay Gap symbolisch sichtbar. Im Jahr 2026 fiel er auf den 27. Februar. Das bedeutet: Rechnet man die Lohnlücke von 16 % in Tage um, arbeiten Frauen zu Beginn des Jahres rein rechnerisch 58 Tage lang umsonst, während Männer ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.
Die Rechnung dahinter ist einfach: Ein Jahr hat 365 Tage. Rechnet man davon 16 %, ergibt das mathematisch rund 58 Tage (365 x 0,16 = 58,4). Die ersten 58 Tage des Jahres – vom 1. Januar bis einschließlich 27. Februar – stehen damit symbolisch für den Zeitraum, den Frauen rechnerisch länger arbeiten müssen, um auf das Jahreseinkommen der Männer zu kommen.
Der Equal Pay Day macht so auf strukturelle Unterschiede aufmerksam. Da er sich strikt an den aktuellen Zahlen orientiert, findet er jedes Jahr zu einem anderen Datum statt: Sinkt die Lohnlücke, rückt der Tag im Kalender immer weiter nach vorne.
Was können Frauen finanziell gegen den Gender Pay Gap tun?
Auch wenn der Gender Pay Gap strukturelle Ursachen hat, gibt es individuelle Hebel, die Sie gezielt nutzen können:
Marktwert ermitteln: Vergleichsportale wie der Entgeltatlas oder der Lohnspiegel zeigen branchenübliche Gehälter für Ihre Position.
Gehalt verhandeln: Fordern Sie konkrete Gehaltsspannen ein und begründen Sie Ihren Anspruch mit messbaren Erfolgen und Weiterbildungen.
Auskunftsanspruch nutzen: In Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten erfahren Sie laut Entgelttransparenzgesetz, wie viel Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen.
Elternzeit partnerschaftlich aufteilen: Wenn beide Partner Elternmonate nehmen, bleibt der berufliche Anschluss erhalten und das Einkommensrisiko verteilt sich.
Privaten Ausgleich vereinbaren: Der Partner, der für die Kinderbetreuung beruflich zurücksteckt, trägt ein hohes finanzielles Risiko. Eine vertragliche oder partnerschaftliche Regelung gleicht das aus, etwa regelmäßige Zahlungen in die private Rentenversicherung der Frau.
Aktiv vorsorgen und investieren
Die gesetzliche Rente reicht für viele Frauen allein nicht aus. Mit einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge können Sie der Lücke entgegenwirken. Schon kleine, regelmäßige Beträge bewirken über die Jahre viel.
Die Volksbank Stuttgart bietet dazu mehrere Lösungen:
Flexibel einsteigen: Mit dem Wertpapiersparplan meinSparplan investieren Sie bereits mit niedrigen Monatsraten in Aktien, aktiv gemanagte Fonds oder ETFs.
Digital anlegen: Als smarte Alternative steht Ihnen MeinInvest zur Verfügung – unsere digitale Vermögensverwaltung in Zusammenarbeit mit Union Investment.
Täglich verfügbar: Für Ihren Notgroschen und kurzfristige Rücklagen eignet sich unser klassisches Tagesgeld, auf das Sie jederzeit Zugriff haben.
Planbar anlegen: Wenn Sie Geld für einen absehbaren Zeitraum fest anlegen möchten, ist das Festgeld eine passende Wahl.
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Fazit: Wo steht Deutschland 2026 und wie geht es weiter?
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Deutschland hat bei den Themen Gender Pay Gap und Lohngleichheit noch einen weiten Weg vor sich. Mit einer Lohnlücke von 16 % hinken wir dem EU-Durchschnitt hinterher. Doch das Fundament für Veränderung steht. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie markierte einen Meilenstein für mehr Transparenz und Fairness auf dem Arbeitsmarkt.
Struktureller Wandel braucht Zeit – aber Ihre finanzielle Unabhängigkeit muss nicht warten. Sie haben es selbst in der Hand, der Lohnlücke entgegenzuwirken. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen: Unsere Berater in der Volksbank Stuttgart stehen Ihnen zur Seite, um eine Anlagestrategie zu entwickeln, die perfekt zu Ihrem Leben passt.
Häufige Fragen zum Thema Gender Pay Gap
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