Im Alter erhalten Frauen in Deutschland deutlich weniger Rente als Männer. Diese Rentenlücke wird auch als Gender Pension Gap bezeichnet. 2025 lag dieser Wert bei 36 % mit und 24,20 % ohne Hinterbliebenenrente. Pro Jahr erhielten Frauen ab 65 Jahren laut Statistischem Bundesamt rund 10.240 € weniger Rente als Männer. Die Ursachen für die Gender Pay Gap reichen weit ins Erwerbsleben zurück.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was der Gender Pension Gap genau ist, wie er sich entwickelt hat und warum die Lücke in West und Ost so unterschiedlich ausfällt. Sie sehen, welche Folgen die Rentenlücke für Frauen hat und welche Bausteine Sie selbst nutzen können, um Ihre eigene Vorsorge zu gestalten.
Das Wichtigste zum Gender Pension Gap auf den Punkt
- Der regionale Unterschied ist groß: In Westdeutschland lag der Gender Pension Gap 2025 bei 40,80 %, im Osten nur bei 13,20 %.
Die Rentenlücke hat spürbare Folgen. 21,40 % der Frauen ab 65 Jahren sind in Deutschland armutsgefährdet, bei Männern liegt der Anteil bei 17 %.
Die Hauptursachen für die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen sind unbezahlte Sorgearbeit, Teilzeitbeschäftigung, die geschlechtsspezifische Lohnlücke (Gender Pay Gap) sowie längere Karriereunterbrechungen bei Müttern.
Mit einer frühzeitigen privaten Vorsorge mit Wertpapiersparplänen, Tagesgeld und Festgeld sowie dem gezielten Aufbau von Rentenpunkten können Sie der Lücke entgegenwirken.
Definition: Was ist der Gender Pension Gap?
Der Gender Pension Gap beschreibt den prozentualen Unterschied zwischen den durchschnittlichen Alterseinkünften und Alterseinkommen von Frauen und Männern ab 65 Jahren. In Deutschland erhebt das Statistische Bundesamt diese Daten als Indikator für geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Alterssicherung. Die Rentenlücke umfasst gesetzliche Rente, Pensionen, Betriebsrenten, private Vorsorge und betriebliche Altersversorgung, wobei je nach Berechnung auch die Hinterbliebenenrente berücksichtigt wird.
Hinterbliebenenrente: Warum gibt es bei der Gender Pension Gap zwei Werte?
Das Statistische Bundesamt weist den Gender Pension Gap in seinen Studien in zwei verschiedenen Werten aus. Das hat einen guten Grund: Beide Zahlen beleuchten unterschiedliche Aspekte der Altersarmut von Frauen:
Mit Hinterbliebenenrente: Dieser Wert berücksichtigt auch die Witwenrenten, die Frauen nach dem Tod ihres Partners erhalten. Da diese Zahlungen die monatlich verfügbaren Einnahmen erhöhen, wird die Rentenlücke rechnerisch abgemildert.
Ohne Hinterbliebenenrente: Dieser Wert zeigt die Lücke beim selbst erarbeiteten Renteneinkommen. Er bildet ausschließlich ab, was Frauen durch ihre eigene Erwerbsbiografie aufgebaut haben, und macht das strukturelle Problem der eigenständigen Alterssicherung deutlich.
Wie hoch ist der Gender Pension Gap in Deutschland?
Im Jahr 2025 lag der Gender Pension Gap in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 24,20 % einschließlich Hinterbliebenenrente. Ohne Hinterbliebenenrente beträgt die Lücke 36 %. In absoluten Zahlen bedeutet das: Frauen ab 65 Jahren bezogen 2025 durchschnittlich 18.233 € an Alterseinkünften, während es bei Männern 28.473 € waren. Das entspricht einem Unterschied von 10.240 € im Jahr. Umgerechnet erhalten Frauen damit im Monat rund 853 € weniger Gesamteinkommen im Alter als Männer.
Entwicklung der Gender Pension Gap
In den letzten Jahren ist die geschlechtsspezifische Rentenlücke in Deutschland fast kontinuierlich geschrumpft. Sowohl bei der Betrachtung der tatsächlichen Absicherung im Alltag als auch beim Blick auf die rein selbst erarbeiteten Rentenansprüche zeigt der Trend aktuell nach unten.
Die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen die schrittweise Verringerung der deutschen Gender Pension Gap im Zeitvergleich:
| Erhebungsjahr | Mit Hinterbliebenenrente | Ohne Hinterbliebenenrente |
|---|---|---|
| 2020 | 29,10 % | 40,80 % |
| 2021 | 29,80 % | 41 % |
| 2022 | 27,60 % | 38,30 % |
| 2023 | 26,90 % | 37,70 % |
| 2024 | 25,80 % | 36,90 % |
| 2025 | 24,20 % | 36 % |
Ost und West: Warum ist die Rentenlücke regional unterschiedlich?
Die geschlechtsspezifische Rentenlücke unterscheidet sich in Deutschland stark zwischen Ost und West. Während in Westdeutschland eine große Lücke klafft, ist sie in den neuen Bundesländern statistisch gesehen fast geschlossen. Ein Blick auf die absoluten Zahlen unter Berücksichtigung der Hinterbliebenenrente verdeutlicht dies:
Westdeutschland (Gap: 29 %): Frauen kommen hier auf durchschnittlich 21.523 €, Männer auf 30.307 €.
Ostdeutschland (Gap: 1,80 %): Hier ist die Lücke fast verschwunden. Frauen beziehen im Schnitt 23.071 € und liegen damit nahezu gleichauf mit den Männern, die durchschnittlich 23.485 € erhalten.
Beim Blick auf die reinen Ansprüche, die Frauen und Männer durch die eigene Erwerbsarbeit aufgebaut haben, vergrößert sich die Rentenlücke in beiden Regionen spürbar – wobei Frauen beim selbst erarbeiteten Einkommen weiterhin systematisch im Nachteil sind:
Westdeutschland (Gap: 40,80 %): Ohne die Absicherung durch den Partner sinkt das durchschnittliche Bruttorenteneinkommen von Frauen auf 17.773 € pro Jahr, während Männer auf 30.011 € kommen.
Ostdeutschland (Gap: 13,20 %): Auch hier öffnet sich die Schere deutlich, wenn die Witwenrente herausgerechnet wird. Frauen beziehen aus eigener Kraft im Schnitt 19.851 € im Jahr, Männer hingegen 22.858 €.
Diese Zahlen spiegeln die unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Systeme wider, in denen die heutigen Rentner den Großteil ihres Lebens verbracht haben:
In der DDR war die Erwerbsbeteiligung von Müttern sehr hoch, meist in Vollzeit, unterstützt durch eine flächendeckende Kinderbetreuung. Das Resultat sehen wir heute: Ostdeutsche Frauen haben mit 19.851 € ein höheres eigenes Alterseinkommen aufgebaut als westdeutsche Frauen (17.773 €).
In Westdeutschland hielt sich das traditionelle Familienmodell über Jahrzehnte. Frauen legten oft sehr lange Familienpausen ein, kehrten nur in Teilzeit oder gar nicht in den Beruf zurück. Das führt dazu, dass westdeutsche Männer mit 30.011 € die höchsten eigenen Renten beziehen, während westdeutsche Frauen mit einer sehr großen Lücke von 40,80 % konfrontiert sind.
Welche Gründe hat der Gender Pension Gap?
Der Gender Pension Gap ist das Ergebnis vieler kleiner Effekte, die sich über das gesamte Erwerbsleben addieren. Sechs Faktoren wirken besonders stark:
Care-Arbeit und Sorgearbeit
Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit in Deutschland. Laut der Bundesstiftung Gleichstellung liegt der Gender Care Gap bei 43,40 %. Frauen leisten mehr unbezahlte Care-Arbeit pro Woche als Männer. Kommen betreuungspflichtige Kinder ins Spiel, wächst dieser Abstand sogar auf 14 Stunden und 20 Minuten mehr pro Woche an. Diese erhebliche Zeitdifferenz fehlt Frauen im Laufe ihres Lebens für die bezahlte Erwerbstätigkeit – was direkt zu kürzeren Arbeitszeiten, geringeren Einkommen und folglich zu deutlich weniger Rentenpunkten im Alter führt.
Teilzeit und Mini-Jobs
Ein wesentlicher Treiber für die Rentenlücke ist das ungleiche Arbeitszeitvolumen zwischen den Geschlechtern. Laut Statistischem Bundesamt arbeitet in Deutschland fast jede zweite erwerbstätige Frau in Teilzeit (49 %), während dies bei den Männern nur auf 12 % zutrifft. Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei der Familiengründung: Während die Erwerbstätigenquote von Vätern mit minderjährigen Kindern auf einem sehr hohen Niveau liegt, sind Mütter weiterhin deutlich seltener erwerbstätig. Viele Frauen steigen über geringfügige Beschäftigungen wieder ins Berufsleben ein. Diese sind im Regelfall jedoch nicht automatisch voll rentenversicherungspflichtig. Dieses langanhaltende Ungleichgewicht bei den Arbeitszeiten sorgt dafür, dass Frauen weniger Beiträge in die Rentenkasse einzahlen als Männer.
Gender Pay Gap als Verstärker
Der Gender Pay Gap wirkt wie ein direkter Katalysator für die spätere Rentenlücke. Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen im Jahr 2025 im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde als Männer. Da die gesetzliche Rente in Deutschland direkt an die Höhe des Einkommens gekoppelt ist, gilt: Wer Stunde für Stunde weniger verdient, zahlt auch automatisch weniger Beiträge in die Rentenversicherung ein. Über eine gesamte Erwerbsbiografie summiert sich diese scheinbar kleine stündliche Differenz zu einer beträchtlichen Lücke im Rentenalter.
Frauen in Führungspositionen
Führungspositionen bieten die größte Hebelwirkung für ein hohes Einkommen – doch genau hier zeigt sich in Deutschland ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes ist nur knapp jede dritte Führungsposition mit einer Frau besetzt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Mehr als 70 % der bestbezahlten Spitzenjobs im Land werden von Männern gehalten. Diese ungleiche Verteilung auf den gut bezahlten Hierarchieebenen wirkt sich direkt auf den Gender Pension Gap aus. Da die Höhe der gesetzlichen Rente sowie betrieblicher Zusatzrenten in Deutschland an das Arbeitseinkommen gekoppelt ist, sammeln Männer in ihren Erwerbsbiografien durch die Dominanz in Führungspositionen ein Vielfaches an Rentenpunkten an. Solange Frauen der Zugang zu den obersten Gehaltsstufen strukturell erschwert bleibt, lässt sich die Rentenlücke im Alter kaum schließen.
Welche Folgen hat der Gender Pension Gap?
Die Rentenlücke ist weit mehr als eine theoretische Kennzahl in der Statistik – sie bestimmt ganz konkret die Lebensrealität und Freiheit von Frauen im Alter. Wenn das Einkommen im Ruhestand drastisch hinter dem von Männern zurückbleibt, hat das tiefgreifende Konsequenzen für den Alltag:
Altersarmut: Die direkte Folge der geringeren Rentenansprüche ist ein massiv erhöhtes Armutsrisiko. Laut Statistischem Bundesamt sind 21,40 % der Frauen ab 65 Jahren in Deutschland von Armut bedroht. Bei den Männern sind es 17 %.
Verzicht auf finanzielle Autonomie: Wer im Laufe des Lebens keine ausreichende eigene Vorsorge aufbauen konnte, verliert im Alter oft seine wirtschaftliche Selbstständigkeit. Viele Frauen sind im Ruhestand gezwungen, staatliche Unterstützung wie die Grundsicherung zu beantragen oder bleiben finanziell komplett auf den Partner oder die Familie angewiesen.
Mentale und psychosoziale Belastungen: Ständige Geldsorgen im Alter sind eine enorme psychische Last. Die permanente Ungewissheit, ob das Geld bis zum Monatsende reicht, können chronischen Stress und Zukunftsängste erzeugen.
Einschnitte bei der Lebensqualität: Ein kleines Rentenbudget zwingt zu Abstrichen im täglichen Leben. Das betrifft nicht nur den Verzicht auf Freizeitaktivitäten, Kultur oder Reisen. Viel gravierender sind die Einschränkungen im Alltag, wenn das Geld für eine gesunde Ernährung, eine barrierefreie Wohnung oder notwendige medizinische Zusatzleistungen und Pflegeangebote fehlt, die von den Kassen nicht übernommen werden.
Was können Frauen gegen den Gender Pension Gap tun?
Strukturelle Veränderungen brauchen Zeit – die eigene Altersvorsorge können Frauen dagegen aktiv selbst angehen. Wer die relevanten Stellschrauben kennt, kann auf persönlicher, partnerschaftlicher und finanzieller Ebene gezielt ansetzen. Die folgenden Bausteine greifen dabei ineinander:
Finanziellen Ausgleich in der Partnerschaft regeln: Wenn ein Partner für die Familie im Beruf zurücksteckt, ist das eine gemeinsame Entscheidung – die Renteneinbußen trägt derjenige jedoch oft allein. Hier ist ein fairer Ausgleich wichtig: Der Vollzeit arbeitende Partner kann beispielsweise monatlich einen festen Betrag direkt in die private Altersvorsorge des anderen einzahlen. Eine weitere Option für Ehepaare ist das Rentensplitting bei der Deutschen Rentenversicherung, bei dem die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche hälftig geteilt werden.
Von Rendite profitieren mit Wertpapieren und ETFs: Um der Inflation entgegenzuwirken, kann ein langfristig orientierter Vermögensaufbau an der Börse eine Option sein – auch wenn dieser mit marktbedingten Kursrisiken verbunden ist. Mit Lösungen wie meinSparplan investieren Sie flexibel und bereits mit geringen monatlichen Raten in breit gestreute Investmentfonds oder ETFs. Wer die Anlage lieber automatisch steuern lässt, kann die digitale Vermögensverwaltung MeinInvest nutzen.
Sicherheit einplanen mit Tages- und Festgeld: Neben der renditestarken Altersvorsorge ist ein risikoarmes Fundament unverzichtbar. Ein Tagesgeldkonto eignet sich, um dort einen flexiblen Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben zu parken, während Sie auf einem Festgeldkonto Ersparnisse für einen bestimmten Zeitraum zu festen Zinsen anlegen können.
Die richtige Kombination aus flexibler Reserve und langfristigem Wertpapiersparplan kann zur Absicherung von Frauen im Alter beitragen. Eine genossenschaftliche Beratung in einer Filiale der Volksbank Stuttgart hilft Ihnen dabei, ein maßgeschneidertes Konzept zu entwickeln. Gemeinsam analysieren wir Ihre Situation und finden die passende Strategie für Ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter.
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Die Volksbank Stuttgart hat ein umfassendes Whitepaper zu Frauen und Finanzen herausgegeben. Darin finden Sie Einblicke, praxisnahe Tipps und Checklisten speziell für Frauen, die ihre eigene Vorsorge unkompliziert selbst in die Hand nehmen möchten.
Fazit: Den Gender Pension Gap schließen
Um den Gender Pension Gap in Deutschland langfristig und vollständig zu schließen, ist ein tiefgreifender Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erforderlich.
Bis diese gesellschaftlichen Veränderungen flächendeckend greifen, lohnt es sich, die eigenen Möglichkeiten zum Entgegenwirken frühzeitig zu nutzen. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen: Die Berater der Volksbank Stuttgart unterstützen Sie dabei, Ihre aktuelle Rentensituation zu analysieren und eine maßgeschneiderte Vorsorgestrategie zu entwickeln – zuversichtlich, verständlich und auf Augenhöhe.
Häufige Fragen zum Thema Gender Pension Gap
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